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Tender- und Rettungsboote von der Fassmer Werft

Der Bau von Tender- und Rettungsbooten im Wandel der Zeit

Jedes moderne Kreuzfahrtschiff verfügt über eine Vielzahl von Rettungs- und Tenderbooten. Während Rettungsboote im Notfall der sicheren Evakuierung der Passagiere und Besatzungsmitglieder dienen, übernehmen Tenderboote im regulären Kreuzfahrtbetrieb häufig den Transport der Gäste zwischen Schiff und Land.

Viele Kreuzfahrtgäste kennen diese Fahrten aus eigener Erfahrung. Dabei unterscheiden sich die Tenderboote hinsichtlich ihrer Bauweise, Ausstattung und ihres Komforts teilweise erheblich. Während ältere oder einfach ausgestattete Modelle häufig über funktionale Sitzbänke und eine eher zweckmäßige Innenausstattung verfügen, bieten moderne Tenderboote teilweise einen überraschend hohen Reisekomfort. Bequeme Schalensitze, Klimaanlagen, Bildschirme und ein ansprechendes maritimes Ambiente lassen manche dieser Boote mittlerweile eher an moderne Ausflugsschiffe als an klassische Beiboote erinnern.

Mit der zunehmenden Größe der Kreuzfahrtschiffe und den stetig steigenden Passagierzahlen haben sich auch die Anforderungen an die Kapazität der Tender- und Rettungsboote deutlich verändert. Entsprechend wurden im Laufe der Jahre immer größere und leistungsfähigere Bootstypen entwickelt.

Einen wichtigen Meilenstein setzte die Fassmer Werft im Jahr 2008 mit der Auslieferung der ersten Rettungsboote für mehr als 150 Personen an Bord der Norwegian Epic. Die Boote verfügten über eine Länge von 12,5 Metern und boten Platz für bis zu 275 Personen.

Dieser Bootstyp wurde in den darauffolgenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und technisch optimiert. So konnte die Kapazität bei gleichbleibender Bootslänge von 12,5 Metern auf mittlerweile 329 Personen gesteigert werden.

Inzwischen wurden bei Fassmer auch deutlich größere Bootstypen konzipiert und ausgeliefert, deren Aufnahmevermögen bis zu 460 Personen beträgt.

Erneuter Besuch bei der Fassmer Werft

Aber der Reihe nach. Ich war vor mehreren Monaten für einen erneuten Auftrag, über zehn Jahre nach meinem ersten Besuch (2012) noch einmal auf der Fassmer Werft in Berne, an der Weser bei Bremen. Die Fassmer Werft gehört seit Jahrzehnten zu einer der renommiertesten Adressen für die Herstellung von Tender- und Rettungsbooten.

Foto: Werftgelände Fassmer Werft in Berne

Ein traditionsreiches Familienunternehmen mit weltweiter Ausrichtung

Die größten und bekanntesten Reedereien haben bereits ihre Kreuzfahrtschiffe mit den Booten von Fassmer ausgerüstet. Schon 1850 stellte der von Johannes Fassmer in Bardenfleth gegründete Familienbetrieb, der heute von Harald und Holger Fassmer geführt wird, erste Holz- und Rettungsboote her. Heute beschäftigt das in fünfter Generation geführte Unternehmen an seinen 8 Standorten weltweit mehr als 1.500 Mitarbeiter und baut nicht ausschließlich Tender- und Rettungsboote. Die Werft ist mit ihren Tochterunternehmen so breit aufgestellt, dass man auch schwierige Zeiten bislang sicher umschiffen konnte. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wurde ein Werk in Polen eröffnet, in dem Faserverbundbauteile für Rettungsboote, Windkraftanlagen, Yachten und Schnellboote gebaut werden. Mit den Standorten in China, Taiwan, den USA und Singapur ist Fassmer in der Lage, ein weltweites Service-Netzwerk für die Kunden sicherzustellen. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von Spezialschiffen spezialisiert.

Foto: Fassmer Werft Innenausbau und Fertigstellung Tender- und Rettungsboote

Das breite Produktportfolio der Fassmer Werft

So tragen auch Lotsenboote, Offshore Patrol Vessels (OPV), Offshore Versorgungsschiffe, Polizei- und Zollboote, Gangways, Winches, Davits, Yachten, Mehrzweckschiffe, Helipads auf Windkraftanlagen, Verkleidungen für Windkraftanlagen sowie die bekannten Seenotkreuzer der DGzRS und die Rainbow Warrior (3) von Greenpeace das Firmenlogo. Und wer hätte gewusst, dass man im Bereich der glasfaserverstärkten Kunststoffe (GFK) auch Hochdächer und Kotflügel für PKWs oder Heck- und Frontteile für namhafte Wohnmobilhersteller produziert?

Tender- und Rettungsboote: Konstruktion und Einsatzbereiche

 Um auf die Tender- und Rettungsboote zurück zu kommen – nicht nur diese werden selbst entworfen und gebaut, auch die Aufhängungen für die Rettungsboote, die sogenannten „Davits“ kommen aus eigener Produktion. Mit diesen Davits werden die Tender- und Rettungsboote am Schiff gehalten und auch geheißt, also heruntergelassen und heraufgeholt. Alle Tenderboote kommen im Notfall auch als Rettungsboote zum Einsatz. Jedes Kreuzfahrtschiff verfügt zwar über Rettungsboote, nicht aber über Tenderboote.

Foto: Fassmer Werft Tenderboot Herstellung Rumpf

Zu den aktuellen Varianten zählen Freifall-Rettungsboote (kommen nicht auf Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz), Fast Rescue Boats (nicht alle Kreuzfahrtschiffe sind damit ausgerüstet), teilweise geschlossene Rettungsboote, vollständig geschlossene Rettungsboote, Tenderboote und XXL Tenderboote. Das Fast Rescue Boat spielt für die Schiffevakuierung und die Passagiere hierbei aber eine untergeordnete Rolle. Es dienst in erster Linie für die unwahrscheinliche Situation, dass ein Passagier über Bord fällt. Solche Mann-über-Bord-Manöver (MOB) werden von der Besatzung jener Kreuzfahrtschiffe die über ein solches Boot verfügen laufend trainiert.

Foto: Fassmer Werft Tenderboot Montage Technik und Verkabelungen

Moderne Fertigung aus glasfaserverstärktem Kunststoff

Moderne Tender- und Rettungsboote werden aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) hergestellt. Für die Produktion der einzelnen Komponenten und Bauteile gibt es verschiedene Herstellungsverfahren. Zum Beispiel das Vakuum-Infusionsverfahren welches auch auf der Fassmer Werft zum Einsatz kommt. Bei dieser Herstellungsmethode wird die trockene Fasermatte in die Form gelegt und mit einer Fließhilfe für das flüssige Harz bedeckt. Anschließend wird das Laminat mit einem Unterdruck und Vakuumfolie angepresst. Durch vorher angebrachte Schläuche wird dann das flüssige Harz mit Unterdruck in die Fasern eingebracht.

Foto: Fassmer Werft Tenderboot Herstellung Rumpf Detail

Dank der Automatisierung des Prozesses kann eine gleichwertige Qualität der gesamten Bauteile erzielt werden. Außerdem beschleunigt sich so der Produktionsprozess der einzelnen Teile. Aus Sicht der Mitarbeiter ist ein wichtiger Vorteil auch die Reduktion der Emissionen von gasförmigen Schadstoffen bei der Aushärtung der Komponenten innerhalb der Bauhalle.

Für den Bau eines einzelnen Tenders oder Rettungsbootes benötigt man je nach Größe und Ausstattung etwa 40 Tage. Zwischen dem Auftragseingang und der Ablieferung eines kompletten Satzes für ein Kreuzfahrtschiff liegen rund 2 Jahre.

Foto: Fassmer Werft Tenderboot Montage Rumpf mit Aufbaukappe

Mehr Komfort und individuelle Gestaltung

Den Wünschen der Kunden sind nur wenige Grenzen gesetzt. Und die werden immer anspruchsvoller, wie Peter Schmidt, Head of Sales Boat & Davit Division, uns wissen lässt. Waren sowohl Rettungsboote als auch Tenderboote vor wenigen Jahren noch eher konventionell, mit harten Sitzbänken und keinerlei Komfort ausgestattet, so stehen heute weich gepolsterte Schalensitze, Klimaanlage, Jalousien, ausgeklügelte Lichtinstallationen, hochwertige Fußbodenbeläge und sogar Fernseher auf den Orderlisten. Eine besondere Bedeutung haben hier die Anbieter kleiner Luxus-Kreuzfahrtschiffe und Kreuzfahrt-Yachten. Hier kommen auf den nächsten Neubauten völlig neu designte und konzipierte Tender zum Einsatz, die optisch wie ein schnelles Motorboot aussehen, technisch aber den höchsten Sicherheitsstandards für Rettungsboote entsprechen.

SEL-RT 8.5: Das Tenderboot im Yacht-Design

Zu diesen neuartigen Tender- und Rettungsbooten gehört das SEL-RT 8.5. Dieser Bootstyp hat eine Länge von 9,26m und ähnelt äußerlich einer eleganten Motoryacht, erfüllt aber alle Anforderungen an ein Tender- und Rettungsboot. Dieser Bootstyp erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 25 Knoten und kann somit auch als VIP-Transfer genutzt werden. Bei der Verwendung als Rettungsboot sind maximal 6 Knoten vorgesehen. Bei der Ausstattung dieses neuen Bootstyps kann der Kunde aus einer großen Palette an Annehmlichkeiten wählen. Dazu gehören spezielle Stoffe, Farben und Designmerkmale für den Innenraum.

Foto: Bootstyp SEL-RT 8.5

Anforderungen an Ausdauer und Schutz der Insassen

Im Notfall muss ein Lifeboat bei einer Geschwindigkeit von 6 Knoten maximal 24 Stunden mit eigenem Antrieb fahren können. Die Reichweite in Seemeilen ist in diesem Zusammenhang nebensächlich und hängt auch von der Wetterlage und den Windverhältnissen ab. Grundsätzlich ist ein Rettungsboot zwar entsprechend konzipiert aber nicht dafür vorgesehen, die Passagiere aus eigener Kraft an Land zu bringen. Wenn ein Kreuzfahrtschiff in Ufernähe havariert, dann ist dies natürlich dennoch möglich. Vielmehr liegt der Sinn eines Rettungsbootes darin, die Passagiere so lange sicher zu beherbergen, bis Hilfe eingetroffen ist. Die vorgegebene Antriebszeit von 24 Stunden ist deshalb ausreichend, weil Kreuzfahrtschiffe sich meist in Landnähe befinden, oder auf internationalen Schifffahrtsstraßen verkehren.

Gerade die Tender- und Rettungsboote der Anbieter von Expeditions-Kreuzfahrtschiffen sind in Polarregionen besonders harten Bedingungen ausgesetzt und werden mit zusätzlichen Isolierungen versehen, um die Insassen vor Kälte zu schützen.

Nicht weniger anspruchsvoll war die Umsetzung eines Fassmer-Kunden, für den neben einer Klimaanlage bequeme Schalensitze und Bildschirme eingebaut wurden. Auf den Bildschirmen können beliebige Informationen gezeigt werden. So luxuriös die künftigen Tenderboote auch sein mögen, eines vereint sie alle – sie erfüllen ausnahmslos die höchsten Sicherheitsvorgaben. Denn hier gelten klare Richtlinien! Die IMO (International Maritime Organisation) gibt die weltweiten Standards für die Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen vor. Einer der wichtigsten Verträge ist das SOLAS Abkommen (Safety of Life at Sea) welches es seit 1914 gibt und seither durch vielfache Änderungsverordnungen der modernen (Passagier-) Schifffahrt angepasst wurde.

Foto: Bootstyp PLL1600 mit Außenbereich für Passagiere im Tenderverkehr

Sicherheitsvorschriften und technische Sicherungssysteme

Die IMP-Vorschriften wurden immer wieder angepasst und verschärft. So mussten nach einer Änderung bei den Vorgaben für die Heißhaken im Jahr 2013 auch alle in Fahrt befindlichen Schiffe umgerüstet werden, sofern diese nicht den neuesten Vorgaben entsprachen. Die Änderung betraf seinerzeit den Auslösemechanismus. Der Heißhaken an einem Tenderboot bzw. Rettungsboot ist jener Haken, der die Seile von den Davits an den Booten hält. Diese Heißhaken sollen einerseits verhindern, dass ein Boot zu früh ins Wasser stürzt, wenn eine unterschiedliche Belastung des Bootes entsteht und andererseits auch dann noch auf dem Wasser auslösen, wenn das Kreuzfahrtschiff in einer Notsituation in Bewegung oder Schräglage ist. Daher besitzen die Heißhaken eine Wasserdrucksicherung, die verhindert, dass der Haken ausgelöst werden kann, bevor das Boot im Wasser schwimmt. Die Auslösung der Haken erfolgt mechanisch vom Fahrstand des Tenders bzw. Rettungsbootes aus. Auf dem nachfolgenden Foto erkennt man den Hebel, mit dem beide Haken simultan gelöst werden. Mit all diesen Mechanismen erreicht man einen sehr hohen Sicherheitsstandard. Der Name Heißhaken stammt vom seemännischen Begriff „Heißen“ – also „Heraufziehen“ – ab.

Foto: Rettungs- und Tenderboot Typ PLL 1099 mit moderner Inneneinrichtung

Modularer Aufbau und hohe Stabilität

Moderne Tender- und Rettungsboot werden im Bausteinprinzip gefertigt. Nach der Fertigstellung einzelner GFK-Module erfolgt in den darauffolgenden Bauphasen eine Zusammenfügung der Elemente. Rumpf, Haube und der Zwischenboden - auf dem später die Sitzfläche entsteht - sind jeweils aus einem Stück gefertigt, was die Stabilität extrem erhöht. Im Rumpf befinden sich die Motoren sowie zahlreiche technische Leitungen und Kabel. Alle Hohlräume werden ausgeschäumt, damit ein größtmöglicher Auftrieb gewährleistet werden kann und sich im Falle einer Beschädigung kein Wasser ansammeln kann.

Evakuierung, Barrierefreiheit und unterschiedliche Betriebsmodi

Die Seetauglichkeit eines Rettungsbootes unterliegt strengen Regularien. Egal wie groß ein Tender- oder Rettungsboot auch ist, die IMO fordert im Notfall eine Einbootungszeit von maximal 30 Minuten. Entsprechend dieser Vorgabe müssen die Zulaufwege zu den Rettungsstationen an Bord der Schiffe konzipiert sein. Auf Wunsch der Reedereien stehen in den Booten spezielle Rollstuhlplätze zur Verfügung, die barrierefrei erreicht werden können. Ein spezielles Gurtsystem fixiert die Rollstühle sicher im Boot.

Es gilt zu unterscheiden, ob sich ein Tender- bzw. Rettungsboot im „Tender-Modus“ oder im „Lifeboat-Modus“ befindet. Wird eines der Tenderboote auch für einen Tendervorgang genutzt, dann lag die maximale Kapazität bislang unter jener im Fall einer Schiffsevakuierung. Auch hier wird es künftig einen neuen Trend geben. Es kommen erstmals Tenderboote zum Einsatz, die über ein großes, offenes Oberdeck verfügen. Im Tendermodus können die Gäste vom Innenraum über eine große Treppe auf das überdachte Oberdeck gelangen. So können deutlich mehr Personen als bisher an Land oder zum Schiff gebracht werden.

Foto: Innenraum vom neuen Bootstyp SEL-RT 8.5

Mehr Kapazität bei gleichbleibender Schiffsfläche

Und noch ein Trend ist zu beobachten. In den letzten Jahren wurden die Tender- und Rettungsboote, entsprechend der zunehmenden Anzahl an Passagieren, immer größer und länger. Da die Boote jedoch eine Menge Platz benötigen, den die Reedereien nicht für Kabinen oder öffentlichen Einrichtungen nutzen können, hat die Fassmer Werft in Kooperation mit den Reedereien Boote entwickelt, die bei gleicher Länge 10 Passagiere mehr aufnehmen können als die bisherigen Exemplare. Diese neuen Boote kommen in Kürze auf einem US-Neubau zum Einsatz. Multipliziert mit der Anzahl an Rettungsbooten konnten am Ende 180 zusätzliche Kabinenplätze realisiert werden.

Davit-Systeme: Sichere Unterbringung und Aussetzung der Boote

Eine andere Lösung, die schon länger umgesetzt wird, ist die Unterbringung der Tender- und Rettungsboote außerhalb des Schiffsrumpfes. Was die Reedereien freut, denn sie können das maximale Raumangebot im Schiffsrumpf nutzen, stellte die Konstrukteure vor einigen Jahren noch vor eine große Herausforderung. Solche neben dem Schiffsrumpf angebrachten Boote sind völlig ungeschützt vor Wind und Wetter. Der so genannte „Outrigger Davit ermöglicht es in Kombination mit einem entsprechenden Halterungssystem an allen Tender- und Rettungsbooten, diese auch bei Seegang, Sturm und eventuellem Wellenschlag völlig bewegungsfrei und sicher am Schiff zu halten.

Die meisten Kreuzfahrtschiffe älterer Baujahre wurden mit „Pivot Davits“ ausgerüstet. Hier gleitet das Rettungsboot in der Regel auf einem Schienensystem von der Halteposition in Richtung Bordwand und wird dann mittels schwenkbarer Arme in der Position gehalten von der aus es ins Wasser gelassen wird.

Alle neueren Kreuzfahrtschiffe verfügen hingegen in den meisten Fällen über hydraulische Davits (Hydraulic Davit). Dieses System ist eine perfekte Kombination von Schwerkraft und Technik. Ein Hydraulikzylinder drückt die Davit Arme in die entsprechende Position über die Bordwand und hält das Rettungsboot gleichzeitig sicher in der Position. Nach der Einbootung hilft die Schwerkraft beim Herunterlassen ins Wasser. Ist die Wasseroberfläche erreicht, werden die Heißhaken gelöst.

Foto: Innenansicht Rettungs- und Tenderboot Typ PLL 1099

Belastungsproben und Zulassung

Ein Tender- oder Rettungsboot durchläuft vor der Zulassung harte Tests, die ein Fallen aus einer Höhe von 3 m auf die Wasseroberfläche sowie ein Durchbiegen simulieren. Erst wenn diese und weitere Extremtests bestanden sind, erhält es auch seine Zulassung.

Sollte es doch zu dem Fall kommen, dass über einen längeren Zeitraum keine Hilfe am Unglücksort eintrifft, so steht allen Insassen ein Überlebenspaket zur Verfügung. Die genauen Mengen sind in den SOLAS Bestimmungen festgehalten. So sind in einem 11,2 m langen Tenderboot mit 150 Plätzen zum Beispiel 3 Liter Wasser und Nahrungspakete mit 10 Megajoule Nahrung für jeden Passagier untergebracht. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Wasser in ein Tenderboot läuft, ist es mit Lenzpumpen ausgerüstet. So wie natürlich auch alle regulären Rettungsboote.

Neue Antriebskonzepte: Diesel, Hybrid und Elektro

Angetrieben wurden alle Tender- und Rettungsboote bisher mit Dieselmotoren, welche sich im Schiffsrumpf unterhalb der Sitze befinden. Ein großer 15,7 m Tender verfügt über zwei dieser Motoren und ist auf Kundenwunsch mit einem Bugstrahlruder ausgestattet um die Manövrierfähigkeit zu erhöhen. Da Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auch bei der Konstruktion, beim Bau und im späteren Betrieb immer wichtiger werden, wurden auch hierzu bereits Lösungen gefunden.

Foto: Dieselmotor im Bootstyp SEL-RT 8.5

Die bisherigen Antriebe für Tender- und Rettungsboote bestanden aus reinen Dieselmotoren. Künftig können rein elektrische Antriebe sowie Hybrid-Motoren gewählt werden. Damit wird auch in diesem Bereich nun ein völlig emissionsfreier Antrieb möglich. Aufgeladen werden die Akkus an einer entsprechenden Ladestation am Kreuzfahrtschiff.

Farbgebung und Sichtbarkeit

Sicherlich ist vielen Kreuzfahrern auch schon aufgefallen, dass die Farbgebung der Tender- und Rettungsboote von Reederei zu Reederei oder auch von Schiff zu Schiff abweichen kann. Die Reedereien haben die Möglichkeit, aus einer vorgegebenen Farbscala eine entsprechende Auswahl nach Wunsch zu treffen.

Warum sind Tender- und Rettungsboote immer in Signalfarben bemalt?

Die IMO gibt vor, dass Rettungsboote hochsichtbar sein müssen und haben dafür eine Farbskala festgelegt. Vielfach wünschen sich Reedereien Boote in Schiffsfarben oder auch in Sonderfarben sowie in Schwarzmetallic. Dazu müssen Sondergenehmigungen von der zuständigen Sicherheitsbehörde (dem Flaggenstaat) beantragt werden. In der Regel wird dann ein Weg gefunden in dem die optische Sichtbarkeit mittels elektronischer Sichtbarkeit ergänzt wird: z.B. durch Satelliten gestützte Transponder.

Die Zukunft der Rettungsboottechnik und der Faktor Mensch

Die Weiterentwicklung wird auch in den nächsten Jahren weiter voranschreiten und die Technologien sind bei der Herstellung von Rettungsbooten noch lange nicht ausgeschöpft. Schon heute tragen alle Rettungsmittel an Bord der Kreuzfahrtschiffe zur größtmöglichen Sicherheit bei und man kann der Branche eine hohe Sicherheitsleistung attestieren. Selbst die besten Sicherheitssysteme und die modernsten Rettungsboote sind aber nur solange lebensrettend, wie der „Faktor Mensch“ all diese Systeme auch beherrscht und sie auch voll genutzt werden können. Dazu zählt auch der rechtzeitige Beginn der Einbootung aller Passagiere. Werden Vorschriften und Bestimmungen von Menschen im Seenotfall missachtet oder funktioniert eines der menschlichen Glieder beim Ablauf einer Evakuierung nicht mehr, so wird die beste Technik und das sicherste Rettungsboot seinen Dienst nicht erfüllen können.

Foto: Blick in eine der Fertigungshallen der Fassmer Werft

Elektronische Überwachung des Heißhakensystems

Das von Fassmer eigens entwickelte Hakensystem ist seit Anfang der 1980iger-Jahre im Einsatz und wurde bisher annähernd 10.000 mal ausgeliefert. Es gehört von Anfang an zu den sichersten Systemen die weltweit verfügbar sind. Im Rahmen einer Gefährdungsanalyse wurde das Fassmer Hakensystem als Ausfallsicher und Eigensicher zertifiziert. Dennoch ruhen die Anstrengungen der Fassmer Werft nicht, ein sicheres System noch sicherer zu machen. So ist heute eine elektronische Zustandsüberwachung verfügbar.

Über ein einfaches Ampelsystem ist sichtbar, ob ein Fehler vorliegt. Zusätzlich steht ein Bildschirm gestütztes Diagnosesystem zur Verfügung. Dieses zeigt dem Bediener einen eventuell vorliegenden Fehler im Detail.

Foto: Fassmer Werft Tenderboot Ampel zur Zustandsüberwachung des Heißhakensystems

Nachhaltigkeit und Klimaziele

Das Unternehmen Fassmer will bis zum Jahr 2030 mit einer ganzheitlichen und maßgeschneiderten Strategie klimaneutral werden. Das Ziel umfasst zunächst die direkten und im Weiteren auf die indirekten Treibhausgasemissionen resultierend aus den Entwicklungs-, Konstruktions- und Fertigungsprozessen. Außerdem wird an Gebäudesanierungen und ökoeffizienten Transporten gearbeitet.

Hinweis: Bild & Text wurden von der Fassmer Werft entsprechend freigegeben. Das Material entstand im Rahmen eines Auftrags vor mehreren Monaten und mehr als 10 Jahre nach einem ersten Besuch im Jahr 2012. Die Urheberrechte liegen beim Autor!