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MS Hamburg Asien-Kreuzfahrt: Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), Seetag und Da Nang

Reisebericht Teil 3: Plantours Kreuzfahrten MS Hamburg Asien Kreuzfahrt Tag 9-12

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Tag 9: 02. Februar 2016 Ho-Chi-Minh-City (ehemals Saigon)

Um genau 08:00 Uhr fahren wir den Saigon River hinauf, es liegt ein undefinierbarer, würziger Geruch in der Luft, an den Ufern säumen sich Fischfabriken und Gebäude welche der Vogelzucht dienen. Diese grauen Blöcke sehen aus wie Bunker, aus denen ein unvorstellbar lautes Vogelgezwitscher zu uns hinüber schallt. Diese Vögel landen regelmäßig auf den Speisekarten der vietnamesischen Küche. Der Schiffsverkehr auf dem Saigon River ist recht beachtlich. Wir fahren vorbei am Containerterminal, weit außerhalb von Ho-Chi-Minh-Stadt, an dem gerade ein großes Kreuzfahrtschiff der „Generation Megaliner“ festmacht. Dieses, über 300m lange und mehr als 140.000 BRZ große Schiff kann den Saigon River nicht befahren. Die Passagiere müssen einen 2-stündigen Bustransfer in das ehemalige Saigon unternehmen.

Unsere kleine MS Hamburg dagegen schlängelt sich den recht schmalen Fluss hinauf, zeitweise erinnert uns diese Revierfahrt an die letzte Kreuzfahrt mit der MS Hamburg auf dem Amazonas. Einzig die Besiedelung unterscheidet sich gravierend, diese ist hier sehr viel stärker vorangeschritten.

Der Größenvorteil wird nochmals deutlich, als wir in einem 90-Grad-Winkel links abbiegen und unter der beeindruckenden Phu My Bridge hindurch fahren, welche im Jahr 2009 eröffnet wurde und den Saigon River überquert. Große Fracht- und Kreuzfahrtschiffe können diese Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 45m nicht passieren und müssen spätestens im Industriehafen außerhalb der Stadt festmachen. Unsere Hamburg dagegen setzt ihren Kurs in Richtung Innenstadt von Ho-Chi-Minh fort und fährt unter der 2.100m langen und 27m breiten Schrägseilbrücke hindurch. Die Höhe der Brückenpfeiler liegt bei 145m, die Länge zwischen den Pfeilern beträgt 380m.

MS Hamburg vor der Phu My Bridge bei Saigon 02.02.2016

Foto: MS Hamburg vor der Phu My Bridge bei Saigon 02.02.2016

Ho-Chi-Minh-Stadt hat eine Bevölkerungsdichte von 3.400 Einwohnern je km², insgesamt leben hier knapp 8 Millionen Menschen. Es ist die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum von Vietnam, stellt aber abgesehen von der Kernstadt kein klassisches, zusammenhängendes Stadtgebiet dar, sondern ist eher mit einer kleinen, dicht besiedelten Provinz vergleichbar. Ho-Chi-Minh-Stadt liegt etwas nördlich des Mekong-Deltas auf dem Westufer des 225km langen Saigon-Flusses. Der alte Name Saigon, unter dem die Stadt bis April 1975 Hauptstadt der Republik Vietnam war, wird weiterhin verwendet. In Ho-Chi-Minh-Stadt sind Universitäten, Theater, Kinos, Museen, Baudenkmäler und Parks zu finden.

Der Namenswechsel von Saigon zu Ho-Chi-Minh-Stadt erfolgte im Jahre 1976, nachdem Nord- und Südvietnam wiedervereinigt wurden. Insbesondere die Stadtbewohner und die Vietnamesen verwenden auch heute noch den alten Namen Saigon. Ihren neuen, heutigen Namen erhielt Ho-Chi-Minh-Stadt von Ho-Chi-Minh, welcher im September 1945 die Demokratische Republik Vietnam proklamierte und später die Führung des Landes als Staats- und Ministerpräsident übernahm.

Ho-Chi-Minh-Stadt liegt durchschnittlich 19 Meter über dem Meeresspiegel, die Entfernung zum Südchinesischen Meer beträgt ca. 40 Kilometer, vom nördlichen bis zum südlichen Teil der Stadt sind 120 Kilometer zurückzulegen. Gegründet wurde Ho-Chi-Minh-Stadt im 17. Jahrhundert.

MS Hamburg Blick auf Ho-Chi-Minh-Stadt 02.02.2016

Foto: MS Hamburg Blick auf Ho-Chi-Minh-Stadt 02.02.2016

Um 12:00 Uhr erreichen wir unseren Liegeplatz mitten in der City von Ho-Chi-Minh-Stadt, nur wenig später haben die örtlichen Behörden das Schiff zum Landgang freigegeben. Die moderne Hochhauskulisse vor der wir nun liegen, hat uns doch recht stark beeindruckt, denn in unseren Köpfen haben wir ein anderes Bild dieser bekannten und bedeutenden Großstadt Vietnams zurechtgelegt – eines, das nun so gar nicht mit der Realität übereinstimmen will. Eine Großstadt haben wir natürlich erwartet, nicht aber ein hochmodernes Glasfassadenpanorama welches dem so mancher US-Metropole ähnelt.

Ho-Chi-Minh-Stadt macht sofort neugierig auf das, was sich hinter dieser schillernden Fassade verbirgt.

Gesagt, getan, nutzen wir die zur Verfügung stehende Zeit umgehend für unseren individuellen Landgang. Rund um das Hafengelände reihen sich Restaurants, Cafés, Bürogebäude und ein großes Sportzentrum. Der Hafen verfügt über abgegrenzte Liegeplätze in bevorzugter Lage, speziell für Kreuzfahrtschiffe. Interessant ist auch die große Aufschrift „Saigon Port“, die uns nun einmal konkret zur Nachfrage anregt ob der alte Name Saigon nun noch im üblichen Gebrauch benutzt wird oder eben doch der Name Ho-Chi-Minh-Stadt. Wie uns die örtliche Reiseagentur mitteilt, ist der Name Saigon insbesondere bei den Stadtbewohnern durchaus häufiger in Gebrauch als Ho-Chi-Minh-Stadt. Er taucht auch immer wieder in Beschilderungen und Namenszügen auf.

Saigon Port Cruise Terminal 02.02.2016

Foto: Saigon Port Cruise Terminal 02.02.2016

Schon unmittelbar nach Verlassen des Hafengeländes wird dem Besucher sehr schnell bewusst, dass er sich tatsächlich nicht in irgendeiner US-Metropole sondern im alten Saigon befindet. Eine ganz besondere, faszinierende und auch chaotische aber dennoch geordnete Atmosphäre ist in den Straßen von Saigon zu erkennen. Mehrere Millionen Motorroller düsen durch die Straßen, insbesondere die Luxuslimousinen Deutscher Hersteller unterbrechen diese Rollerlavinen immer wieder. Was für Gegensätze! Diese Gegensätze prägen eigentlich das komplette Stadtbild, denn historische Gebäude stehen in selber Reihe wie die modernen Banktower. Irgendwie ist es ein unwirkliches Bild, welches wir hier zu sehen bekommen. Der Mix aus Tradition und Moderne könnte ausgeprägter kaum sein.

Einen dieser schillernden Bankpaläste schauen wir uns nun aus der Nähe an, den Bitexco Financial Tower, der über eine Aussichtsterrasse, eine Bar und eine Diskothek verfügt.

Der Bitexco Financial Tower  ist ein Wolkenkratzer im District 1 von Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam. Mit einer Höhe von 265,5 m war er bei seiner Fertigstellung 2010 das höchste Gebäude in Vietnam. 2011 musste der Bitexco Financial Tower diesen Titel an den Hanoier Keangnam Hanoi Landmark Tower abgeben. Die Aussichtsetage Saigon Skydeck (49. Etage) ist täglich 9:30 bis 21:30 für einen Eintrittspreis von 200.000 VND (ca. 7,20 €) zugänglich. Der Zugang zum Cafe (50. Etage), zum Restaurant (51. Etage) und zur Bar (52. Etage) ist frei, es wird allerdings ein Verzehr erwartet. Wir trinken hier die vermutlich teuerste Cola der letzten Jahre. Zwei Gläser kosten umgerechnet knapp 40 ,- EUR!  Die Plattform auf der 52. Etage dient als Hubschrauberlandeplatz. Die Aussicht aus der 50. Etage ist phantastisch und ermöglicht einen ersten Überblick über alle wichtigen Gebäude der Stadt.

Blick vom Bitexco Financial Tower 52. Etage in Ho-Chi-Minh Stadt

Foto: Blick vom Bitexco Financial Tower 52. Etage in Ho-Chi-Minh Stadt

Nach so einem Höhenflug schauen wir uns nun das im 20. Jahrhundert erbaute Saigon Opera House an, welches ein Paradebeispiel französischer Kolonialarchitektur darstellt. Leider ist das Opernhaus verschlossen, so dass wir keinen Blick hinein werfen können.

Saigon Opera House 02.02.2016

Foto: Saigon Opera House 02.02.2016

Unweit vom Opera House befindet sich das Sheraton Hotel, von dessen Restaurant auf der Dachterrasse sich ein wunderbarer Blick über die Innenstadt von Ho-Chi-Minh-Stadt bietet. Im Gegensatz zum Café auf dem Bitexco Tower sogar völlig frei und ohne Glasscheiben vor der Nase.

Blick vom Sheraton Hotel über Ho-Chi-Minh City

Foto: Blick vom Sheraton Hotel über Ho-Chi-Minh City

Bei der Ho-Chi-Minh City Hall handelt es sich um das Rathaus der Stadt, welches über eine prunkvolle Fassade verfügt. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Notre Dame Cathedral.

Die beiden 40m hohen, zwischen 1877 und 1880 im neuromanischen Stil erbauten Zwillingstürme fallen sofort ins Auge. NotreDame Cathedral besitzt eine schöne, rote Backsteinfassade und steht mitten im Botschaftsviertel. In Blickweite befindet sich das eindrucksvolle Gebäude der Hauptpost, deren Metallrahmen von Gustave Eiffel stammt.

Notre Dame Cathedral Saigon 02.02.2016

Foto: Notre Dame Cathedral Saigon 02.02.2016

Der Wiedervereinigungspalast hat leider schon geschlossen, so bleibt uns hier nur noch ein letzter Blick von Außen, bevor wir uns auf den Rückweg in Richtung Hafen machen. Der Wiedervereinigungspalast war bis 1975 Palast der Präsidenten.1868 entstand auf dem weitläufigen Parkgelände der Sitz des französischen Generalgouverneurs, nach einem Bombenanschlag 1962 wurde er durch den heutigen Bau, ein nicht wirklich ansehnliches Betongebäude im Stil der 1960er Jahre, ersetzt.

Ho-Chi-Minh Post Office 02.02.2016

Foto: Ho-Chi-Minh Post Office 02.02.2016

Auf dem Weg zum Hafen kommen wir an der großen Markthalle vorbei, welche wir uns natürlich auch noch im Rahmen eines Kurzbesuches anschauen. Beeindruckender als die Markthalle selbst, ist das Leben vor- und um die Halle herum. Lohnenswert ist es, die Nebenstraßen zu durchkreuzen und um den großen, der Markthalle vorgebauten Platz herum zu laufen. Angelegt ist er wie so mancher prunkvoller Platz in einer europäischen Großstadt.

an der Markthalle von Saigon 02.02.2016

Foto: an der Markthalle von Saigon 02.02.2016

Der Verkehr wird gegen den Uhrzeigersinn herumgeführt und lässt nicht die kleinste Lücke erkennen. Als Fußgänger hat man nur die Möglichkeit, einfach durch dieses Verkehrschaos hindurch zu laufen oder auf Ewig am Straßenrand stehen zu bleiben. Wer die Straßen in Ho-Chi-Minh-Stadt überqueren möchte der darf nicht warten, bis die Autos oder Rollerfahrer anhalten. Das wird nicht passieren. Selbst an einem Zebrastreifen lautet die Devise „Augen zu und durch“. Zu unserem Erstaunen funktioniert das einwandfrei und Unfälle sehen wir auch keine.  

Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam bei Nacht 02.02.2016

Foto: Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam bei Nacht 02.02.2016

Ho-Chi-Minh-Stadt bzw. Saigon versprüht ein ganz eigenen Charakter, Lebensfreude, etwas Chaos und dennoch einen geordneten Rhythmus. Die Stadtbewohner sind als überaus gastfreundlich und herzlich zu beschreiben. Auch wenn Saigon grundsätzlich eine auf den ersten Blick chaotische und laute Stadt ist, so haben wir uns von ihren Reizen überzeugen lassen. Hier muss man einfach länger bleiben, um insbesondere die Nebenstraßen genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier liegen vermutlich gerade aus fotografischer Sicht noch große Schätze versteckt. Saigon ist postmodern, Saigon ist klassisch, Saigon ist authentisch und macht Lust auf mehr. Wenn der Besucher sich dieser Stadt und seinen Bewohnern öffnet, dann wird er begeistert sein von den Eindrücken und dem einzigartigen Lebensstil.

Hinterhof in Ho-Chi-Minh-Stadt 02.02.2016

Foto: Hinterhof in Ho-Chi-Minh-Stadt 02.02.2016

Als Highlight des heutigen Abendprogramms wird eine örtliche Folkloregruppe an Bord der MS Hamburg auftreten.  

 

Tag 10: 03. Februar 2016 Ho-Chi-Minh-City – die Fotopleite am Mekong Delta

Der heutige Morgen begrüßt uns mit einem phantastischen Sonnenaufgang und Temperaturen um die 30 Grad. Die perfekten Voraussetzungen für einen unvergesslichen Ausflug ins Mekong Delta. Wir haben zuvor mit dem örtlichen Reiseleiter der Ausflugsagentur vor Ort gesprochen und nachgefragt, was genau auf dieser Tour zu sehen ist – mit dem Hintergedanken, einen Koffer voller Fotos mit zu bringen. Soweit läuft alles nach Plan. Um 07:30 Uhr bahnen sich die Ausflugsbusse der MS Hamburg den Weg durch die verstopften Straßen von Ho-Chi-Minh-City bis zu einer Autobahn, welche uns unmittelbar in die Provinz Tien Giang bzw. in dessen Hauptstadt My Tho führt.

In My Tho angekommen, wechseln wir am Flussufer des Mekong in ein relativ kleines Holzboot. Der Uferbewuchs am Mekong Delta ist niedrig aber sehr üppig. Es lassen sich viele Mangrovengebiete erkennen. Auf den ersten Blick haben wir wieder den Eindruck, uns am Amazonas Delta zu befinden.

Durch den fruchtbaren Schwemmlandboden ist am Mekong Delta eine intensive Landwirtschaft möglich, welche jährlich eine Produktion von 16 Mio. Tonnen Reis in drei Ernten  sicherstellt. Das Mekong Delta wird daher auch „die südliche Reiskammer Vietnams“ genannt. Außerdem werden Nahrungsmittel wie Fisch, tropische Früchte, Gemüse, Zuckerrohr und Kokosnüsse produziert.

Voller Erwartungen haben wir einen hervorragenden Platz auf dem Holzboot eingenommen und glauben nun, zu den schwimmenden Märkten zu fahren auf denen wir die Einheimischen beim Warenumschlag bzw. beim Einkauf beobachten können. Uns wurde zuvor von diversen Fotografen und ortskundigen Freunden gesagt, dass dies ein absolutes Highlight der gesamten Kreuzfahrt darstellt.

Die Bootsfahrt endet jedoch schon nach fünf Minuten auf der anderen Seite des Flussarms. Es geht zu Fuß weiter zu einer Teeverköstigung, welcher sich eine Obstverköstigung anschließt. Selbiges Obst haben wir auch an Bord der MS Hamburg, was unsere Begeisterung, landestypisches Obst im Rahmen dieses Ausflugs zu probieren, weiter schmälert. Nachdem wir nun Tee getrunken und Obst gegessen haben, führt eine örtliche Folkloregruppe vietnamesische Tänze und Gesänge auf. Mit authentischen Eindrücken aus Vietnam hat das alles bisher gar nichts zu tun.

Wir und ein Großteil der anderen Ausflugteilnehmer gehen immer noch davon aus, nun endlich zu den schwimmenden Märkten zu fahren. Weit gefehlt, denn es folgt wieder ein Fußmarsch durch Verkaufsstände und Touristenläden. Dieser endet an einem kleinen Seitenkanal, wir steigen wieder in Boote. Diesmal sind es kleine Ruderboote, welche maximal 4-5 Personen hintereinander Platz bieten. Grundsätzlich eine nette Abwechslung.

Mekong Delta Vietnam 03.02.2016

Foto: Mekong Delta Vietnam 03.02.2016

Nun fahren wir also endlich zu den faszinierenden, schwimmenden Märkten, glauben wir. Nach nur 10 Minuten Schleichfahrt durch ein kleines Mangrovengebiet endet die Bootsfahrt dann aber erneut. Wieder laufen wir zu Fuß durch üppige Vegetation auf unterschiedlichen Wegen. Oh Wunder, nun sind wir wieder angekommen an unserem großen Holzboot und es folgt eine weitere Verköstigung irgendwelcher Produkte, die uns offen gesagt nun überhaupt nicht interessieren. Die Stimmung unter den Reisegästen ist angespannt, denn immer noch wartet ein Großteil der Ausflugteilnehmer nun darauf, endlich einen Blick in „das reale und authentische Vietnam“ werfen zu dürfen. Nach der Verkaufspräsentation bittet der Reiseführer alle Teilnehmer zurück in das große Holzboot. Die Zeit wird langsam knapp, uns wird langsam bewusst, dass wir die schwimmenden Märkte nicht mehr sehen werden. Der Reiseleiter reagiert auf gezielte Nachfrage hin sehr ruppig und fühlt sich offenbar in seiner Ehre gekränkt, dass wir überhaupt wagen Kritik zu äußern. Er kann nicht nachvollziehen, dass uns 4 Stunden Busfahrt für eine Tee- und Obstverköstigung überhaupt nicht begeistern.  

Das Boot hat derweil den Fluss überquert und wieder festgemacht. Wir sind zurück bei den Reisebussen. Damit ist das heutige Programm beendet. Der krönende Abschluss ist die 2-stündige Busrückfahrt nach Saigon. Vorbei an den schönsten Fotomotiven, zauberhaften Kanälen, landwirtschaftlichen Betrieben, Reisfeldern und nicht zuletzt an unzähligen Booten von denen aus Blumen und Waren für das bevorstehende, Chinesische Neujahrsfest verkauft werden. Das alles wäre eine Erkundung heute Vormittag wert gewesen.

Das Mekong Delta ist durch Sedimentation an Stelle einer Meeresbucht entstanden und wächst auch heute immer noch jährlich um etwa 80 Meter. Es umschließt derzeit eine Fläche von ungefähr 39.000 km².

Nachdem wir fast wieder am Hafen von Saigon angekommen sind, passieren wir noch den Fluß Kenh Doi, einen Nebenfluss vom Saigon River. Hier reihen sich, einmal im Jahr, unzählige der kleinen Boote welche am Delta auf den schwimmenden Märkten zu finden sind. Aufgrund des bevorstehenden Neujahrsfestes verkaufen die Einheimischen hier üppige Blumengestecke und handgefertigte Dekoration. Die Stimmung und die Atmosphäre inmitten dieser Boote muss einmalig sein. Leider fahren wir nur vorbei, denn es bleibt keine Zeit vor dem Auslaufen der MS Hamburg hier noch einen Stopp einzulegen.

Am Ende verzögert sich die Abfahrt dann noch um eine Stunde, da zwei der Reisebusse aus dem Mekong Delta deutlich verspätet zurückkehren.

Obwohl das Plantours-Team aus unserer Sicht nicht die Schlüsselrolle bei dieser verplanten Ausflugsfahrt hat, ist den Teilnehmern ein anteiliger Betrag der Ausflugkosten auf das Bordkonto gutgeschrieben worden.

Wir verbuchen den heutigen Tag als „Erfahrung für das Leben“, ändern können wir zu diesem Zeitpunkt nichts mehr. Gesehen haben wir nichts, abgesehen von Verkaufsständen und Touristenkrimskrams.

Um 15:00 Uhr heißt es schließlich „Leinen los“ in Richtung Da Nang. Es liegt eine Distanz von 530sm bzw. 982 Kilometer vor uns. Für die kommende Nacht wird stürmisches Wetter mit bewegter See angekündigt, entsprechend werden auf der Hamburg alle Sonnenliegen festgebunden, die Stühle gestapelt und der Pool geleert.

Auf dem Pooldeck kommen wir am frühen Abend in den Genuss eines leckeren Obstbuffets. Die Früchte hat unser Hotel Manager Osman Ozpolat heute frisch auf dem Markt in Saigon gekauft. Die Auswahl am Obstbuffet an Bord der MS Hamburg ist üppiger als auf unserem heutigen Ausflug zum Mekong Delta.

Koch Naik serviert Früchte aus Vietnam MS Hamburg 03.02.2016

Foto: Koch Naik serviert Früchte aus Vietnam MS Hamburg 03.02.2016

Wir fahren mit unserer Hamburg selbigen Weg, den wir entlang des Saigon River auch gekommen sind, nun wieder zurück in Richtung offene See.

Nochmals Lob für das Essen an Bord der Hamburg

Abends wird im Restaurant der Zauber Südostasiens in Form eines Themenabends dargeboten. Wie ein roter Faden ziehen sich die Zutaten der asiatischen Küche durch alle Gänge der Menükarte. Absolut phantastisch! Die Zutaten sind ausnahmslos frisch, die Darbietung hervorragend und der Geschmack vorzüglich!

Waren die Speisen an Bord der MS Hamburg bisher dem Produkt und der Kategorie angemessen, sind sie nun deutlich besser als zu erwarten wäre. Qualität, Vielfalt und Auswahl entsprechen aus unserer Sicht nun einem 4-Sterne Produkt.

 

Tag 11: 04. Februar 2016 – ein Tag auf See

Die letzte Nacht war bewegt und stürmisch, der Wind fegte mit einer Stärke von bis zu 8bft. über die Decks der Hamburg, die Wellen sorgten mit einer Höhe von bis zu 5m für ordentlich Bewegung.

Der Seegang soll den gesamten Tag über heute anhalten, was die Bordaktivitäten erheblich einschränkt. Der Frühsport, die Joggingrunden und das Shuffleboard fallen aus. Kapitän Vorobyov lässt sich sein Skat-Turnier trotz Seegang natürlich nicht nehmen.

Die Stimmung an Bord ist bestens, die Sonne scheint auch, was will man mehr.

Ansonsten verläuft der Tag im Vergleich zu anderen Seetagen heute deutlich ruhiger. Zum Fotografieren ist es ebenfalls kein perfekter Tag, denn die Luft ist von der auffliegenden Gischt getränkt, alle Decks inzwischen von einer Salzschicht überzogen.

MS Hamburg Sturmfahrt 04.02.2016 Vietnam_1

Foto: MS Hamburg Sturmfahrt 04.02.2016 Vietnam

Am Abend lassen wir uns von der erfrischenden und spaßigen Crewshow in der Lounge begeistern. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, welche verborgenen Gesangs- und Schauspieltalente sich unter den Crewmitgliedern befinden.

Crewshow MS Hamburg 04.02.2016

Foto: Crewshow MS Hamburg 04.02.2016

Interessant zu wissen

Wie weit kann man auf See eigentlich sehen? Die genaue Sichtweite auf See hängt vom genauen Standpunkt ab. Aus einer Höhe von 1,5m über dem Meeresspiegel ist der Horizont 2,5 Seemeilen (4,63 Kilometer) entfernt. Aus einer Höhe von 6m beträgt die Sicht schon 5 Seemeilen (9,26km), aus einer Höhe von 10m kann man 7 Seemeilen (12,96km) und aus einer Höhe von 50m beeindruckende 14,6 Seemeilen (27km) weit blicken.

 

Tag 12: 05. Februar 2016 Da Nang, Vietnam

Der Morgen begrüßt uns heute mit einem grauen Himmel und sehr viel Regen. Auch der Gang an Deck soll heute keine Freude werden, denn es gab einen deutlichen Temperatursturz auf nicht einmal mehr 20 Grad. Die See ist weiterhin unruhig, der Wind weht mit Stärke 7 immer noch aus Nord. Unsere MS Hamburg hält Kurs auf den Hafen von Da Nang an der Ostküste von Vietnam.

Da Nang soll, wenngleich die Stadt auch ein interessantes Ziel darstellt, heute nicht auf unserem Tagesplan stehen. Wir haben einen Ausflug nach Hoi An geplant. Hoi An ist eine Küstenstadt in Zentralvietnam am Südchinesischen Meer in der Provinz Quang Nam an der Mündung des Song Thu Bon. In Hoi An leben etwa 75.000 Einwohner, die Entfernung nach Da Nang beträgt nur ca. 30 Kilometer.

Hoi An war früher der größte Hafen in Südostasien, er lag an der Seidenstraße. In der Vergangenheit hatte die Stadt viele Namen, Hoi An erschien erstmals 1630 auf einer offiziellen Karte. Gegründet wurde Hoi An im 4. Jahrhundert von den Cham, mit deren Rückzug sie später an Bedeutung verlor. Da der Hafen zunehmend versandete, mussten Handelsschiffe immer öfter in den Hafen von Da Nang ausweichen, welcher in Folge an Bedeutung gewann. Hoi An verlor im 18. Jahrhundert schließlich mehr und mehr an Attraktivität als Hafen für Handelsschiffe.

Angekommen in Hoi An, unternehmen wir zunächst einen Stadtrundgang, der uns in eine Werkstatt für Seidenstickereien führt. Dort schauen wir für einige Minuten den Damen beim Sticken zu, bevor wir direkt die Altstadt besuchen. Die Straßen in Hoi An sind relativ klein, wunderschön angelegt und relativ stark vom Tourismus geprägt.

Hoi An Vietnam 05.02.2016

Foto: Hoi An Vietnam 05.02.2016

Zu den faszinierendsten Sehenswürdigkeiten in Hoi An gehört zweifelsfrei die Japanische Brücke, die Chùa Cầu. Der Bau der Brücke vereinigte zwei historische Stadtviertel, das chinesische einerseits und das japanische andererseits. Die Grenze zwischen den Gebieten stellt die 18m lange, überdachte Japanische Brücke dar, die über den Nebenfluss des Thu Bon führt. Die Bauzeit der ersten Variante der später mehrfach zerstörten Brücke erstreckte sich über einen Zeitraum von zwei Jahren von 1593 (das Jahr des Affen) bis 1595 (Jahr des Hundes), zurückzuführen ist ihr Bau auf Kaufleute einer wohlhabenden, japanischen Handelsgilde in der Stadt. Trotz mehrfacher Zerstörungen überstand die Brücke die Zeiten weitgehend unverändert und gilt heute als Wahrzeichen der Stadt Hoi An.

Japanische Brücke in Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Foto: Japanische Brücke in Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Ein kleiner Tempel in einem Raum in der Mitte der Japanischen  Brücke ist einem Flussgeist gewidmet. Die Japanische Brücke Chau Cau ist mit Abstand eine der berühmtesten, wenn nicht sogar die berühmteste Brücke in Vietnam. Einer Legende nach war die Japanische Brücke für die Menschen eine mächtige Waffe gegen ein Monster namens Mamazu. Der Kopf der Brücke zeigt Richtung Indien, der Schwanz nach Japan und der Rücken schützt Vietnam vor Erdbeben und anderen Katastrophen. Je ein Paar dieser Tiere ist aus diesem Grunde als Hüterstatuen an jedem Ende der Brücke über den Thu Bon River zu sehen.

Die wunderschöne Altstadt von Hoi An wurde zwischen 1580 und 1720 n. Chr. erbaut und zeigt sich in vielen Bereichen fast im Original-Zustand. Die Gebäude, die man heute an der Hauptstraße Duong Tran Phu sieht, stammen allerdings hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert.

Mutter mit Kind in Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Foto: Mutter mit Kind in Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Eine weitere, besondere Sehenswürdigkeit von Hoi An ist die Versammlungshalle der Chinesen aus Fuijan. Sie ist zugleich ein Tempel, welcher der Himmelsgöttin Thien Hau geweiht ist, der Schutzpatronin von Seefahrern und Fischern.

Die Fuijan Versammlungshalle wurde im späten 17. Jahrhundert erbaut. Sie zeigt alle wesentlichen Merkmale einer typischen, chinesischen Versammlungshalle. Der Besucher schreitet zunächst durch ein kunstvoll geschnitztes Tor und steht dann in einem farbenprächtigen Innenhof. Läuft man über diesen hinweg, so gelangt man zur Haupthalle, in deren Mittelpunkt ein Schrein mit geschnitztem Drachenkörper befindet. Hinter dem Altar entdecken wir Abbildungen von 3 Feen und 12 Hebammen.

Fuijan Versammlungshalle Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Foto: Fuijan Versammlungshalle Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Nach einer kurzen Bootsfahrt statten wir dem Thanh Ha Terracotta Park bei Hoi An sowie einer Töpferei einen kurzen Besuch ab. Der Terracotta Park wurde innerhalb von 4 Jahren Bauzeit auf einer Fläche von 6.000m² fertig gestellt und gilt als größter Park seiner Art in Vietnam.

Straßenszene in Altstadt von Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Foto: Straßenszene in Altstadt von Hoi An, Vietnam, 05.02.2016

Auch wenn wir gerne noch länger in Hoi An geblieben wären und uns die Stadt wirklich fasziniert, so müssen wir langsam aber sicher wieder zur MS Hamburg zurück, die um 20:00 Uhr heute den Hafen verlassen wird. Hoi An hat uns mit seinen malerischen Gassen, dem typischen Stadtbild, den bemoosten Dächern und alten Pagoden jedenfalls überzeugt.

Die letzten Stationen des heutigen Ausflugs sind ein Händler für riesige Marmorskulpturen und der Strand von Da Nang, der trotz einsetzender Dunkelheit sehr schön anzusehen ist.

Strand von Da Nang in Vietnam 05.02.2016

Foto: Strand von Da Nang in Vietnam 05.02.2016

Um 20:00 Uhr verlassen wir mit der MS Hamburg den Hafen von Da Nang und nehmen Kurs auf die Halong Bucht, die im Norden von Vietnam liegt. Bis dahin legen wir eine Strecke von 304sm bzw. 563 Kilometern zurück.

Dass diese Etappe zu einer echten, spannenden Sturmfahrt werden wird, haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst.

Damit schließt nun Teil 3 unserer Reisebericht-Serie der Südostasien-Kreuzfahrt mit der Hamburg.