Landurlaub: Mecklenburg-Vorpommern (Rostock & Rügen)

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AntjeG
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Landurlaub: Mecklenburg-Vorpommern (Rostock & Rügen)

Beitrag von AntjeG » 03 Apr 2019, 21:16

Die Tourismusmenschen in MV sagen: "MV tut gut". Sie haben Recht. Und das nicht nur mit dem für dieses Forum nicht ganz unwichtigen Kreuzfahrthafen in Rostock-Warnemünde, sondern generell. Also macht doch vor/nach der nächsten KF mal ein paar Tage länger Urlaub in MV!

Ich war in letzter Zeit gleich 2x in MV unterwegs und berichte nachfolgend von einer Tour mit Freundinnen und Patenkind (5 Jahre) rund um Rostock sowie vom Festspielfrühling der Festspiele MV auf der schönen Insel Rügen.

Die Mädels-Tour fand in der letzten Märzwoche statt. Fotos habe ich wenige, da ich den Job der Fotografin überwiegend an meine Freundinnen abgetreten habe.

Angereist sind wir über Wismar. Die Altstadt von Wismar ist UNESCO Weltkulturerbe und sehr sehenswert:

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St. Nikolai

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Altstadthäuser am Markt

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Wasserkunst am Markt

Schön ist auch das Gebiet am Hafen, wo übrigens ab und zu auch mal kleinere Kreuzfahrtschiffe anlegen und man gut parken kann.
Wassernixen lockt das Badeparadies "Wonnemar" und die Kleinen (nicht nur) bei schlechtem Wetter der Indoor-Spielplatz "Mumpitz".

In Rostock hatten wir bei Privatvermietern eine supertolle Ferienwohnung mit Blick auf die Warnow ziemlich genau zwischen Innenstadt und Warnemünde.
Einen ganzen Tag verbrachten wir im Rostocker Zoo, der gerade mal wieder als bester Zoo Europas ausgezeichnet wurde und wirklich sehenswert ist. Für kleine Besucher mit zu kurzen Beinen für den ganzen Tag gibt es übrigens einen Bollerwagen-Verleih dort. Parkplätze befinden sich direkt am Eingang.

Am nächsten Tag wollten wir in die Innenstadt. Aber dort war alles abgesperrt wegen einer Bombenentschärfung. Tausende Rostocker wurden evakuiert. Unsere Vermieterin hatte uns am Vorabend darüber informiert. Also Plan B: Mit der Kleinbahn "Molli" (mit Dampflok!) von Kühlungsborn über Heiligendamm (Deutschlands erstes Seebad) nach Bad Doberan. Hier traf sich früher der Jetset zum Pferderennen auf der ersten Galopprennbahn des europäischen Festlands. Die Innenstadt und insbesondere das Doberaner Münster sind einen Besuch wert.
Am Nachmittag ließen wir uns in Warnemünde den Seewind um die Nase wehen. Kaffeetrinken im Warnemünder Wahrzeichen "Teepott" und ein Bummel am Alten Strom sind hier ein "Muss". Am Strom bitte Eure Fischbrötchen ganz doll festhalten. Die Möwen stürzen sich darauf und sind erfolgreiche Diebe. Vom Alten Strom aus starten auch Ausflugsschiffe zu Fahrten auf die Ostsee hinaus.

Die Bombe wurde derweil erfolgreich entschärft, so dass wir am letzten Tag unseres Kurzurlaubs die Innenstadt unsicher machten. Geparkt haben wir beim AIDA-Hauptquartier "Am Strande" (Stadthafen). Von dort ist die sehr schön renovierte Innenstadt fußläufig zu erreichen. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch der Marienkirche mit der jahrhundertealten Astronomischen Uhr sowie eine Fahrt auf den Turm der Petrikirche für einen grandiosen Blick auf die Stadt von oben. Wir waren außerdem im kleinen, aber feinen Schifffahrtsmuseum und haben uns ansonsten einfach treiben lassen.

Damit ist die Mädels-Tour auch schon vorbei und es geht gleich weiter auf die Insel Rügen.
Antje

AntjeG
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Re: Landurlaub: Mecklenburg-Vorpommern (Rostock & Rügen)

Beitrag von AntjeG » 03 Apr 2019, 22:05

Auf Rügen veranstalten die Festspiele MV, eines der großen Klassikfestivals Deutschlands, seit einigen Jahren ein Frühjahrsfestival, den Festspielfrühling. Hier gibt es nicht nur klassische Kammermusik, sondern auch das eine oder andere Crossover-Projekt zu hören. Für viele Mitglieder des Fördervereins "Festspielfreunde" eine willkommene Gelegenheit, sich im gleichen Hotel einzuquartieren und die Zeit vom letzten Festspielsommer an Revue passieren zu lassen und sich auf die Festspielsaison im Sommer einzustimmen. Viele von den Festspielen im Sommer bekannte Künstler geben auch im Frühjahr Konzerte auf Rügen.
Wer sich nicht für klassische Musik interessiert, kann trotzdem weiterlesen. Zwischen den Konzerten ist genug Zeit, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu bestaunen und die Seele baumeln zu lassen.
Leider hatte ich keine Gelegenheit, die ganzen 1,5 Wochen auf Rügen zu sein (der Festspielfrühling läuft noch), aber 3 Tage mit 5 Konzerten sind ja bekanntlich besser als 0 Tage mit 0 Konzerten :mrgreen:

Gewohnt habe ich im Cliff Hotel in Sellin. Wirklich toll gelegen über dem Meer mit eigenem Fahrstuhl zum Strand und einem super schönen Wellnessbereich. Bei Holidaycheck & Co las ich Kritik über zu klein geratene Badezimmer und nicht ansprechende Architektur. Ja, stimmt, das Bad ist klein. Und ja, es gibt architektonisch schönere Hotels. Aber: Lage einmalig, Wellnessbereich super, Service excellent, Frühstück lecker, Zimmer mit Meerblick. Ich fahre da doch nicht hin, um den Urlaub im Bad zu verbringen! Wir Kreuzfahrer sind ja kleine Bäder ohnehin gewöhnt :lol:
Übrigens gibt es im Cliff auch Ferienwohnungen.

Gestartet habe ich meinen Festspielfrühling im Glasbahnhof in Sassnitz.
Das ist der ehemalige Anleger der Fähren nach Trelleborg/Schweden. Aktuell fahren die Fähren im Sassnitzer Ortsteil Mukran ab, wo es ein modernes Terminal gibt. Der Glasbahnhof steht unter Denkmalschutz und bietet ein einmaliges Ambiente für ungewöhnliche Konzertformate. Habt Ihr schon mal ein Saxofonquartett gehört, das Streichquartette von Haydn spielt? Na also. Das Wetter war so schön, dass wir durch die großen Fenster des Glasbahnhofs während des Konzerts die spiegelglatte Ostsee bewundern konnten.

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Da wollte das Programm mit Vivaldis "Tempesta di mare" nicht so recht dazu passen. Der Wind hat gefehlt :lol:
Das Bilderbuchwetter sorgte auf der anschießenden Bootsfahrt zu den Kreidefelsen aber für Ausblicke a la Caspar David Friedrich. Das grenzte schon hart an Kitsch, war aber echt, ich schwöre:

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Am Abend ging es in Putbus weiter. Im kleinen, aber feinen Theater des Stadtgründers Fürst Wilhelm Malte

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gab es Streichquartett (diesmal wirklich STREICHquartett) und Streichsextett. Das Sextett stammte aus der Feder von Johannes Brahms, der ganz gerne auf Rügen weilte und ohne den deshalb kein Feststpielfrühling komplett ist. Der Intendant der Festspiele meinte zur Eröffnung in Putbus, Brahms´ 1. Sinfonie sei nur deshalb so schön geworden, weil sie zum großen Teil auf Rügen entstanden ist...

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Putbus ist übrigens auch dann eine Reise wert, wenn weder das Theater Vorpommern noch die Festspiele im Theater gastieren. Die Stadt wurde auf dem Reißbrett entworfen mit einem einheitlichen Baustil ganz in Weiß und gut gepflegten Grünanlagen. Mehr Meer gibt es am Hafen im Ortsteil Lauterbach. In Lauterbach gibt es auch das Badehaus Goor, erbaut für das Badevergnügen des deutschen Hochadels, der sich auf Einladung derer von Putbus auf Rügen tummelte.

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Heute ist das hier ein Hotel, wo die Festspiele des nachts "wilde Nachtmusik" im Hotelrestaurant zu Gehör bringen. Zitat Intendant "Die Warmduscher sind schon im Bett". Die wilde Nachtmusik gestalteten wieder die 4 Saxofonisten, diesmal mit Arrangements von Hits wie "I feel pretty" (Gershwin) oder "Somewhere" (Bernstein).

Weil das gestern beim Fürsten von Putbus so schön war, habe ich den nächsten Vormittag dazu genutzt, mir das Jagdschloss des Fürsten anzusehen.

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Es liegt im Waldgebiet Granitz (heute Naturschutzgebiet) und hat einen über eine enge, gußeiserne Wendeltreppe erreichbaren Aussichtsturm.

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Das Schloss ist von Binz und Lancken-Granitz aus zu Fuß auf Wanderwegen erreichbar, alternativ mit der Kleinbahn "Rasender Roland" (aber auch dann noch ein Stück zu Fuß) oder vom Parkplatz Binz-Ost aus mit der Bäderbahn.

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Die fährt inzwischen umweltfreundlich vollelektrisch. Diese Sightseeing-Bahnen haben wir sicher alle schon mal irgendwo gesehen. Sie sind echte Rüganer, denn sie werden hier gebaut!

Am Nachmittag stand in der Kapelle des Gutes Boldevitz ein Kammerkonzert an. Die kleine Kapelle liegt inmitten einer sehr gepflegten Parkanlage auf dem Boldevitzer Gutshof.

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Außergewöhnlich wurde es abends im Haus des Gastes in Baabe. Ein Duo aus Österreich auf uralten Instrumenten (Geige und Cello), aber was die gespielt haben und vor allem: wie die gespielt haben, das war weder klassisch noch uralt! Rockmusik auf Geige & Cello. Aber ohne Verstärker und trotzdem so, dass man sich fragte, wo der Rest der Band sich versteckt hat. Ganz großes Kino.

Und damit ist dann auch Rügen samt Festspielfrühling für dieses Jahr Geschichte. Ich stürze mich jetzt in die Vorbereitungen auf die Kanada-Reise mit AIDAvita im Juni.
Antje

Babs
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Re: Landurlaub: Mecklenburg-Vorpommern (Rostock & Rügen)

Beitrag von Babs » 04 Apr 2019, 11:48

Sehr interessant und sehr schön.

Bei Dir halt auch naheliegend von uns aus leider ne halbe Weltreise. Wir sind schneller an der Riviera. :roll:
LG Babs 8-)

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