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Reisebericht A-ROSA Riva Donau 26. Juli - 7. August 2020

Verfasst: 06 Sep 2020, 12:44
von Roter Specht
Vorspann
Es ist Herbst 2019. Zeit für die Urlaubsplanung 2020 im Büro. Mein Sohn und ich überlegen, welche Schiffsreise es im Sommer 2020 werden soll. Großbritannien/Irland mit der Artania? Mein Sohn wird nächsten Sommer 16 Jahre alt – allerdings erst nach den Sommerferien. Ich bekomme fast jede Woche Werbung von A-ROSA Flusskreuzfahrten. Dort reisen Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre auch mit nur einem Elternteil kostenlos. Sommer 2020 ist der letzte Sommer, wo wir das nutzen könnten. Dazu gefällt mir die neu konzeptionierte Reise „Donau-Katarakten“, die nicht nur die schöne Landschaftspassage, sondern auch Aufenthalte über Nacht in Budapest und Belgrad vorsieht, ausgesprochen gut. Wir buchen.

Frühjahr 2020: Die Corona-Pandemie greift um sich. In den Osterferien wollten wir mit AIDA eine Woche Metropolentour fahren, doch alle Kreuzfahrten werden abgesagt. Selbst die für den zweiten Teil der Ferien geplante Reise in eine Ferienwohnung in Bayern muss entfallen. Noch nicht einmal Tagesausflüge innerhalb unserer eigenen Bundeslandes sind erlaubt. Werden wir dieses Jahr überhaupt noch verreisen dürfen?

Juli 2020: Flusskreuzfahrten dürfen so langsam wieder anfangen. Für die langen Reisen auf der Donau stellt sich allerdings die Frage, bis wohin wir wohl fahren dürfen. Deutschland, Österreich und Ungarn haben eine Reisewarnung für Serbien ausgesprochen. Wenn man von dort zurückkommt, muss man 2 Wochen in Quarantäne. Ich verfolge über Hafenmeldungen und Seiten wie vesselfinder und marinetraffic, welche Schiffe wohin fahren. Dadurch finde ich heraus, dass wir nicht mit der gebuchten Silva, sondern wohl mit der anders gebauten Riva fahren werden. Ebenso finde ich heraus, dass bei der Reise vor uns (16 Tage Donaudelta) Serbien, Rumänien und Bulgarien nicht angelaufen werden, sondern sich die Reise ausschließlich auf Österreich, die Slowakei und Ungarn beschränkt. Ich finde das völlig in Ordnung – es hätte mich nur gefreut, dazu vorab eine Information von A-ROSA zu erhalten. Das würde meine Ausflugsplanung wesentlich erleichtern. Aber selbst in den Reiseunterlagen, die dieses Mal nicht in der gewohnt schönen Mappe, sondern nur per Mail kommen, steht noch die alte Reiseroute und es werden Ausflüge für Serbien angeboten.

Mein Reisebüro und ich haben über den Zeitraum von zwei Wochen diverse Male versucht, A-ROSA telefonisch und per Email zu kontaktieren, weil ich auf der Riva gerne eine andere Kabine möchte als auf der Silva. Auf der Silva befinden sich alle Kabinen im hinteren Teil. Dort hatte ich eine Kabine gewählt, die relativ in der Schiffsmitte lag. Diese Kabine liegt auf der anders aufgebauten Riva allerdings direkt unter der Lounge – undzwar dort, wo der Alleinunterhalter spielt. Das möchte ich nachts nicht über meinem Kopf haben. Nach Beschwerde meines Reisebüros bei der Geschäftsführung gelingt es endlich, einen Kontakt herzustellen und die Kabine zu wechseln. Ganz herzlichen Dank an Deutzi für das Engagement und die Hartnäckigkeit! In Zeiten, wo viele Reisebüros in Kurzarbeit und für ihre Kunden kaum oder gar nicht mehr erreichbar sind, bist Du ein echter Lichtblick!

Einen Tag vor der Kreuzfahrt reisen wir mit der Bahn nach Passau an. Den Hafenmeldungen von Wien habe ich entnommen, dass wir dort nicht nur einige Stunden bleiben, sondern einen vollen Tag Verlängerung bekommen. Das freut mich sehr. Wir waren zwar schon mehrfach in Wien, aber ich bin sehr gerne in dieser Stadt. Außerdem haben wir dort Kreuzfahrt-Freunde. Der verlängerte Aufenthalt dort lässt uns mehr Spielraum für ein Treffen. Für den Rest der Reiseroute konnte ich leider noch nichts herausfinden. Es hat etwas von Überraschungsreise. Ich bin mal gespannt, wann wir offiziell über die Routenänderung informiert werden. Auch sind wir gespannt, wie viele Gäste mitreisen werden, ob es eine oder zwei Tischzeiten geben wird und ob man bei deren Einteilung ein Mitspracherecht hat. Die Aussicht, dass alle Mahlzeiten in Bedienung mit festem Tisch erfolgen sollen, empfinden wir eher als Pluspunkt. Wir freuen uns sehr, dass wir uns für eine Flusskreuzfahrt entschieden haben – so kommen wir diesen Sommer immerhin überhaupt auf ein Schiff.
Der erste Abend in Passau ist schon mal eine schöne Einstimmung auf den Urlaub. Die Bahn ist pünktlich, es ist ein lauer Sommerabend (was habe ich solche Abende in unserem bisher überwiegend feuchtkalten norddeutschen Sommer vermisst), wir essen draußen zu Abend und bummeln noch bis abends spät durch die Stadt mit ihren schön angeleuchteten Bauwerken.


Sonntag, 26. Juli 2020 Engelhartszell

Im Hotel hatten wir heute die späte Frühstückszeit von 10 – 11 Uhr, so dass wir ausschlafen und den Tag entspannt beginnen konnten. Wir haben es auch gar nicht so eilig, loszugehen, denn heute ist es regnerisch. Trotzdem bummeln wir noch ein wenig durch Passau, bevor wir gegen 14 Uhr unser Gepäck im Hotel abholen und Richtung Bahnhof laufen. Das Wetter ist inzwischen wieder trocken und warm. Dort können wir sofort mit dem Transfer Richtung Engelhartszell starten.

Der Transfer wird in Kleinbussen durchgeführt. Mit der Riva liegt auch die A-ROSA Donna in Engelhartszell. Bevor wir an Bord gehen können, mussten wir im Bus die aktualisierte Gesundheitserklärung ausfüllen (bei der Erklärung, dass man sich vor der Reise nicht in Risikogebieten aufgehalten hat, wurde Luxemburg ergänzt und Kreis Gütersloh gestrichen). Außerdem wird vor dem Check-in Fieber gemessen. Mein Sohn hat eine Temperatur von 36,7, ich habe 36,5, also dürfen wir an Bord. Wir gehen durch die Donna auf die Riva, zeigen an der Rezeption unsere Pässe vor und können dann zur Kabine gehen, wo unsere Bordkarten liegen. Da der Transfer in Kleinbussen erfolgte, kamen zeitgleich immer nur wenige Leute an, so dass sich keine Schlangen bildeten.

Unsere Koffer stehen schon vor der Kabine. Ich packe die ersten Dinge aus, während sich mein Sohn erkundigt, man es etwas zu essen gibt. Einschiffungssnack ist von 15 – 16.30 Uhr, dort wollen wir jetzt hin. Die erste Hürde besteht darin, den eigenen Platz zu finden. Auf unserer Reise sind so wenige Passagiere, dass wir alle in einer Tischzeit essen können. Im Restaurant befindet sich auf jedem Tisch ein Kärtchen mit Angabe der Kabinennummer. Allerdings ist das nicht einfach aufwärts oder abwärts nach Nummer sortiert, sondern wild durcheinander, weil z.B. Mitglieder einer größeren Busreisegruppen in verschiedenen Kabinen untergebracht, aber alle in der Nähe voneinander sitzen (wenn auch nicht – wie in vor Vor-Corona-Zeiten – an einem großen Tisch, sondern an mehreren Tischen mit dem entsprechenden Mindestabstand). Eine Kellnerin sieht unsere suchenden Blicke und bringt uns zu unserem Zweiertisch.

Statt Tischdecke liegt täglich ein DIN A3-Blatt auf jedem Platz, auf dem man heute beim Einschiffungssnack und sonst beim Frühstück das Menü für mittags und abends wählt. Am Abend findet man in derselben Form das Tagesprogramm für den nächsten Tag (und zur Erinnerung das Menü des Abends). Abends empfiehlt es sich dementsprechend, das Blatt mit auf die Kabine zu nehmen, damit man weiß, wann am nächsten Tag Essenszeiten und sonstige Programmpunkte stattfinden. Morgen dagegen lässt man das Blatt mit angekreuzter Menüwahl auf dem Tisch liegen.

Zum Einschiffunssnack wählt man vom Tablett der Kellnerin kleine Kuchenstücke, Wraps oder Sandwiches. Das sind eher Appetithappen, da kann man sich locker durch das gesamte Angebote probieren. Das Abendmenü klingt vielversprechend, u.a. stehen Räucherlachstatar (als Vorspeise) und Rinderfilet (als Hauptspeise) auf dem Plan.

Nach dem Einschiffungssnack gehen wir noch einmal kurz von Bord, um Fotos vom Schiff zu machen. Um 16.30 Uhr werden alle Gäste in die Lounge gebeten. Dort wird der Kapitän vorgestellt. Außerdem werden wir – endlich – darüber informiert, dass wir nicht nach Serbien fahren, sondern die Route umgestellt wird. Teils betretenes Schweigen, aber auch leises Gemurmel, dass das ja zu erwarten war. Die Gäste sind höflich genug, zu der Ankündigung, dass A-ROSA uns wegen der Routenänderung aus Kulanz eine Ermäßigung von 50% auf eine weitere Reise innerhalb der nächsten 3 Jahre gewährt, zu klatschen. Die geänderte Route finden wir, zusammen mit einem Anschreiben von A-ROSA, auf der Kabine. Wir haben mit der Routenänderung gerechnet und sind damit überwiegend zufrieden (ich hätte mir persönlich noch längere Aufenthalte in Wien und Budapest, dafür etwas kürzere in der Wachau gewünscht). Glücklich finde ich diesen Umgang mit den Passagieren aber nicht. Ich hätte für die individuelle Ausflugsplanung gerne früher gewusst, wann wir wo und wie lange sind. Manch anderer hätte die Reise vielleicht doch lieber auf nächstes Jahr umgebucht. Eine frühere Information hätte die Gäste sicherlich zufriedener gemacht (allerdings das Risiko mit sich gebracht, dass so wenige mitfahren, dass es sich für A-ROSA wirtschaftlich gar nicht mehr lohnt – schon jetzt ist es vermutlich mehr als grenzwertig).

Ziemlich pünktlich um 17 Uhr legen wir ab. Bei bestem Wetter genießen wir das Ablegen auf dem Sonnendeck. Dort sind Stühle und Liegen unter Wahrung der Abstandsregeln aufgestellt worden. Dadurch sind das Schachfeld, Minigolf und Shuffleboard nicht in Betrieb – es stehen auch dort). vereinzelt Liegen.

Um 17.30 Uhr findet für uns die Vorführung des Films zur Schiffssicherheit statt (Seenotrettungsübung kann man das irgendwie nicht nennen). Danach folgt noch ein Film zu Sicherheitsmaßnahmen in Corona-Zeiten und der Hinweis, dass wir aufgrund der Routenänderung bereits gebuchte Ausflüge neu buchen müssen. Außerdem werden neue Ausflugsangebote vorgestellt. Diese Veranstaltung findet zweimal in der Lounge statt (getrennt nach geraden und ungeraden Kabinennummern). So haben alle mehr als genug Platz in der Lounge.

Jetzt ist schon fast wieder Zeit für das Abendessen, das von 19 – 20.30 Uhr stattfindet. Dadurch, dass man sein Menü vorab gewählt hat, geht es recht flott. Die Portionen sind in etwa so wie bei Phoenix – man braucht schon 3-4 Gänge, um satt zu werden. Das ist aber auch völlig in Ordnung und wer noch Appetit hat, kann ja zum zweiten Nachtisch auf einen süßen Cocktail in die Lounge gehen. Die Barkarten stehen übrigens jetzt in Corona-Zeiten nicht mehr auf dem Tisch, sondern man bekommt sie nur auf Anforderung. Die letzte Bestellung ist um 22.30 Uhr, die Bar schließt um 23 Uhr.

Als wir schlafen gehen, bemerken wir ein Lärmproblem, das ich bisher so noch nicht erlebt habe: unser Kabinennachbar schnarcht – und er schnarcht so laut, dass wir es in unserer Kabine deutlich hören. Allerdings bin ich so müde, dass ich trotzdem ziemlich schnell einschlafe.


Montag, 27. Juli 2020 Wien

Als ich morgens aufwache, fahren wir gerade an Krems vorbei und ich kann im Hintergrund Stift Göttweig erkennen.

Diese Reise wird eine Frühaufsteherreise, denn Frühstück findet von 8 – 9.30 Uhr statt. Wenn wir noch gemütlich frühstücken wollen, müssen wir spätestens um 8 Uhr aufstehen (andere Gäste finden Frühstück ab 8 Uhr eher spät, für frühe Ausflüge passt es auch nicht so ganz, deshalb werden wir im Verlauf der Reise häufiger Frühstück von 7.30 – 9.30 Uhr haben.

Auf unserem Tisch liegt als „Platzdeckchen“ das Menü für das Mittag- und Abendessen aus. Hier kreuzen wir an, was wir gerne essen möchten. Diese Regelung finde ich ziemlich gut – die Crew kann besser planen, welche Mengen von welchem Gericht benötigt werden und die Gäste können schneller bedient werden, wenn schon vorher feststeht, wer was bekommt. Alle können sich darüber freuen, dass hoffentlich weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen. Es wird aber nie knapp kalkuliert. Wenn jemand sich doch noch umentscheiden oder einen zusätzlichen Gang haben möchte, müsste das möglich sein (zumindest haben wir immer ein paar überzählige angerichtete Teller gesehen).

Aber zurück zum Frühstück: auf dem Tisch steht ein Korb mit Brot und Brötchen sowie ein kleiner Teller mit abgepackten Dingen wie Butter, Margarine, Frischkäse, Honig, Nutella. Der Kellner bringt eine Platte mit Aufschnitt. Man kann zusätzlich weitere Dinge bestellen wie Eierspeisen, Joghurt, Obstsalat, Frühstückssalat oder Müsli. Ein Kellner geht mit einer Platte Croissants herum. Jeden Tag gibt es eine Frühstückspezialität wie z.B. Wiener Würstchen heute für Wien. Ebenso bestellt man Getränke. Das Frühstück in Bedienung gefällt uns gut. Unser Tisch ist fast zu klein für all das, was wir essen.

Zur Kabinenreinigung hängt man morgens das Schild mit „Bitte die Kabine reinigen“ heraus. Bei uns klappt es prima, dass die Kabine immer während unserer Frühstückszeit gereinigt wird. Turndown-Service gibt es jetzt in Corona-Zeiten nicht regelhaft. Wer aber abends noch eine Kabinenreinigung (bzw. frische Handtücher) wünscht, soll abends ebenfalls das Schild heraushängen. Die Regelung finde ich in Ordnung, ich kann allerdings nichts dazu sagen, ob sie funktioniert, denn abends hatten wir keinen Bedarf für Kabinenreinigung.

Um 10.30 Uhr geht es zur Ausflugspräsentation für alle Ausflüge ab Budapest (für Wien war gestern schon Buchungsschluss). Das ist keine reine Werbeveranstaltung, denn die Lektorin, die auf dieser langen Reise an Bord ist, erzählt auch noch etwas über Wien.

Um 12 Uhr ist Mittagessen, dann kommen wir auch schon in Wien an. Wir laufen zur U-Bahn-Station Vorgartenstraße und kaufen ein 48-Stunden-Ticket. Dann fahren wir zum Karlsplatz und laufen an der Karlskirche vorbei zum Schloss Belvedere. Dort schlendern wir durch den Schlosspark und besichtigen den Alpengarten. Sehr angenehm finden wir, dass es in Wien an diversen Stellen Wassersprüher gibt, an denen man sich bei dieser Hitze (heute sollen es 32 Grad sein, für morgen sind sogar 37 Grad angesagt) ein wenig abkühlen kann.

Dann geht es zurück zur U-Bahn, denn für 17 Uhr sind wir mit einem Kreuzfahrtfreund aus Wien verabredet. Wir verbringen zwei nette Stunden in einem Lokal, dann geht es zum Abendessen auf unser Schiff. Danach gehen wir noch einmal von Bord, um uns die mit uns in Wien liegenden Flusskreuzfahrtschiffe anzusehen (heute waren wir drei A-ROSA Schiffe in Wien, übrigens alle an verschiedenen Anlegern und nicht im Päckchen, dazu die Anesha von Phoenix Reisen und die Excellence Empress. Es gibt ein wunderschönes Abendrot. Im Anschluss geht es noch einmal mit der U-Bahn ins Zentrum von Wien, um die schön beleuchteten Gebäude zu bewundern. Stephansplatz, Hofburg und Museumsquartier stehen auf unserem Plan, bevor es vom Karlsplatz aus wieder zurück geht.

Heute ist es ziemlich spät geworden und so fallen wir trotz schnarchendem Nachbar zur rechten und für uns hörbar fernsehenden Nachbarn zur linken todmüde ins Bett.

Dienstag, 28. Juli 2020 Wien
Beim Frühstück schreiben wir eine kurze Notiz auf den Menüzettel für mittags und abends, dass wir nicht am Mittagessen teilnehmen werden, denn heute haben wir viel vor. Zunächst fahren wir zum Schloss Schönbrunn und spazieren durch den Schlosspark. Wir waren schon häufiger in Wien, auch in der Nebensaison, aber so leer habe ich es dort noch nie erlebt.

Danach geht es ins Kunsthistorische Museum. Hier gilt innen zwar Maskenpflicht, jedoch halten sich viele Besucher nicht daran und das Personal sagt nichts dazu. Zwar kann man in den großzügigen Räumlichkeiten mit hohen Decken meistens viel Abstand halten, aber so manche Engstelle gibt es dann doch. Im Museum ist die Temperatur deutlich angenehmer als draußen. Schon allein die Räumlichkeiten sind sehenswert, vor allem das beeindruckende Treppenhaus. Selbst mein kulturell eher wenig interessierter Sohn ist beeindruckt und erträgt zwei Stunden Museumsbesuch, ohne zu meckern.

Im Anschluss gehen wir noch durch die Hofburg zum Stephansplatz. Bevor wir zurück zum Schiff fahren, legen wir noch einen Zwischenstopp im Prater ein. Auch hier nur wenige Menschen. Für die Schausteller ist nur zu hoffen, dass abends, wenn die Temperaturen angenehmer sind, vielleicht mehr Leute kommen. Jetzt sind bei den Fahrgeschäften höchstens die Wasserbahnen nachgefragt.

Nach dem Abendessen legen wir recht schnell ab. Der Himmel ist immer schwärzer geworden, es blitzt und donnert. Später geht ein starkes Gewitter hernieder. Abends können wir kaum einschlafen, so laut gewittert es.


Mittwoch, 29. Juli 2020 Budapest
Während des Frühstücks passieren wir Esztergom. Schade, dass wir hier nicht anlegen, die beeindruckende Kathedrale würde ich gerne mal besichtigen. Nach dem Frühstück setze ich mich ein wenig auf das Sonnendeck und genieße die Landschaft des Donauknies und den Blick auf die Burg(ruine) von Visegrad.

Heute haben wir wieder bestes Wetter, bis zum Nachmittag sollen es über 30 Grad werden. Wir sind gerade mit dem Mittagessen fertig, als wir in Budapest einlaufen. Mit Musikuntermalung und vielen Informationen zu den Gebäuden, die wir passieren, geht es zu unserem Liegeplatz an der Elisabethbrücke. Hier liegen wir jetzt noch neben der A-ROSA Mia, die wir beim Landgang durchqueren müssen. Gegen 17 Uhr soll die Mia ablegen, wofür auch die Riva den Anleger kurz verlassen muss. Dieses Manöver wird uns später noch ein paar schöne Fotos, aber auch eine längere Wartezeit an Land bescheren.

Zunächst begeben wir uns jedoch auf einen Rundgang auf der Pester Seite. Wir starten mit einem Besuch der Markthalle, die allerdings nur wenig besucht ist. Es haben auch nicht alle Stände geöffnet. Immerhin können wir einige Euro in ungarische Forint tauschen.

Weiter geht es zum Ungarischen Nationalmuseum. Wir legen eine kurze Pause in dem schönen Park, der das Museum umgibt, ein.

Als nächste Station steht die Synagoge auf dem Programm. Diese ist leider während der Coronazeit geschlossen. Wir können aber auch von außen die metallene Trauerweide erkennen – ein Mahnmal, in dessen Blättern die Namen von getöteten Juden eingraviert sein sollen (das können wir auf die Entfernung nicht erkennen).

Nun laufen wir zur Stephansbasilika, die wir auch von innen besichtigen. Hier wird um eine kleine Spende gebeten, die man auch in EUR oder Dollar leisten kann. Man könnte hier auch (gegen Gebühr) den Turm besteigen, aber da ich Höhenangst habe, verzichte ich immer auf solche Programmpunkte.

An der Donaupromenade entlang geht es zurück zum Schiff. Budapest ist eine sehr sehenswerte Stadt, aber für Fußgänger wurde sie nicht gemacht. Der Autoverkehr ist sehr stark und man muss manchmal ganz schön suchen und weite Umwege laufen oder eine Unterführung nehmen, um als Fußgänger überhaupt eine Straße überqueren zu können. Hinzu kommt die ungünstige Schaltung von Fußgängerampeln, die dazu führt, dass man oft zwei oder dreimal auf verschiedenen Teilstücken warten muss, bis man Straße und Straßenbahnschienen komplett überquert hat. Auch wenn man sein Schiff schon vor sich sieht, kann es so locker noch einmal 10 – 15 Minuten dauern, bis man den Anleger tatsächlich erreicht. Das sollte man zeitlich mit einplanen.

Wir kommen also genau dann am Anleger an, als das Manöver zum Ablegen der Mia gefahren wird. So dauert es eine gute halbe Stunde, bis wir an Bord der Riva gehen können Jetzt erst mal unter die Dusche, bevor es zum Abendessen geht.

Im Anschluss an das Essen wollen wir noch einmal durch das genial beleuchtete nächtliche Budapest laufen. Auch wenn die Sonne untergegangen ist, wird es noch nicht kühler, so dass ich meinen ursprünglichen Plan, den Gellert-Berg zu besteigen, sehr schnell aufgebe. Wir steigen nur die Treppen bis zu dem Denkmal oberhalb der Elisabethbrücke hinauf. Dann laufen wir am Budaer Donauufer entlang und kehren über die Kettenbrücke auf die Pester Seite und zu unserem Schiff zurück. Jetzt noch ein Cocktail an Bord und dann ab ins Bett. Das Laufen in der Hitze hat mich wieder ziemlich müde gemacht.


Donnerstag, 30. Juli 2020 Budapest
Aufgrund früher Ausflüge gibt es heute schon ab 7.30 Uhr Frühstück (für uns zum Glück aber weiterhin bis 9.30 Uhr, die Frühstückszeit wurde also verlängert und nicht nur nach vorne geschoben). Ebenso wurde die Zeit für das Mittagessen verändert, das findet heute von 12.30 – 13.30 Uhr statt (bisher 12 – 13 Uhr).

Am Vormittag erkunden wir auf der Budaer Seite das Burgviertel. Dazu steigen wir viele Treppen hinauf (und stellen leider erst auf dem Rückweg fest, dass es auch eine Rolltreppe gegeben hätte). Alternativ kann man auch kostenpflichtige Golfwagen oder die Standseilbahn nutzen.

Im früheren Königspalast befinden sich heute Museen. Die Aussicht auf die andere Donauseite ist beeindruckend. Hier sind kaum Menschen unterwegs. Ein wenig voller wird es dann vor der Matthiaskirche und der Fischerbastei – aber kein Vergleich mit den Menschenmengen, die wir im Oktober 2015 (und das war schon Nebensaison) erlebt haben.

Pünktlich zum Mittagessen sind wir wieder an Bord. Eine kurze Pause, dann geht es wieder los. Wir laufen auf der Pester Seite immer an der Donau entlang, vorbei an dem Holocaust-Mahnmal (gußeiserne Schuhe als Erinnerung an die Juden, die am Donauufer erschossen wurden und vorher noch ihre Schuhe ausziehen mussten) zum Parlament. Das Gebäude ist gewaltig.

Gewaltig ist bei dieser Hitze auch unser Fußmarsch zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wir gehen vorbei am Opernhaus (von dem man leider fast gar nichts erkennen kann, weil es zur Renovierung eingerüstet ist) zum Heldenplatz.

Dahinter befindet sich ein schönes Naherholungsgebiet mit einem höchst seltsamen Gebäude, der Burg Vajdahunjad. Hier hatte ein Architekt zum ungarischen Millenium im Jahr 1896 den Auftrag erhalten, ein Gebäude zu entwerfen, das sämtliche in Ungarn auffindbare Baustile vereint. Das Ergebnis ist ein wenig seltsam, aber sehr schön anzusehen. Außerdem liegt es in einem Park mit schattigen Bäumen und einem See drumherum – ein wunderbarer Ort bei dieser Hitze.

Für den Rückweg habe ich keine Lust mehr auf einen kilometerlanger Fußmarsch. Wir nehmen die U-Bahn. Diese Metrolinie ist die älteste U-Bahn in Kontinentaleuropa und die Stationen sehen auch noch so aus (das ist nicht negativ gemeint, es war sehr interessant). Der Fahrscheinautomat, der sich oberirdisch vor dem Eingang zur Station befand, konnte auf verschiedene Sprachen (auch Deutsch) eingestellt werden. Er nimmt Scheine und Münzen (Forint) sowie Kreditkarten. Die einfache Fahrt kostet pro Person umgerechnet ca. 1,10 EUR.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Schiff, wo wir uns wieder unter der Dusche erfrischen und das Abendessen genießen. Danach legen wir ab und unternehmen mit dem Flusskreuzfahrtschiff noch eine große Lichterrundfahrt durch das nächtliche Budapest. Das ist wunderschön, aber ich bin so kaputt von unserem strammen Tagesprogramm, dass wir uns sofort Richtung Kabine begeben, sobald wir Budapest verlassen haben. Andere halten länger durch, denn heute gibt es abends an Deck noch ein wenig Entertainment mit Musik. Auf dem Sonnendeck tanzen sogar einige – hier an der frischen Luft mit viel Platz kann man beim Tanzen problemlos mehrere Meter Abstand zu anderen halten.

Freitag, 31. Juli 2020 Kalocsa und Mohács
Bei Vorstellung der geänderten Reiseroute hatte ich mir ja noch längere Aufenthalte in Wien und Budapest gewünscht. Inzwischen bin ich froh, dass jetzt der gemütlichere Teil der Reise beginnt.

Der Anleger in Kalocsa befindet sich ca. 7 km von der Stadt entfernt. A-ROSA bietet einen Transfer mit dem Bus für 9 EUR an. Diesen Transfer haben so viele Leute gebucht, dass wir auf zwei Zeiten verteilt werden. Da wir morgens nicht gut in die Gänge kommen, bin ich ausgesprochen glücklich darüber, dass wir dem späten Transfer um 9.45 Uhr zugeteilt wurden. Im Bus gilt Maskenpflicht, der Bus ist nicht voll belegt, aber es gibt keine Zuteilung der Plätze, d.h. mehrere Reihen sind jeweils mit zwei Personen besetzt und an anderer Stelle sind dann mal zwei oder drei Reihen frei – so, wie die Leute sich halt hingesetzt haben. Auf halbem Wege drehen wir noch einmal um, um einen verspäteten Gast doch noch mitzunehmen. Erst sind alle pünktlichen Gäste ein wenig sauer, dass sich damit unser sowieso schon kurzer Aufenthalt verkürzt, aber vor Ort merken wir schnell, dass Ort und Sehenswürdigkeiten übersichtlich sind und uns genug Zeit bleibt.

Wir schauen uns von außen die schöne Kirche an, bummeln ein wenig die Straßen rauf und runter und besuchen das kleine, aber recht nett gemachte Paprika-Museum. Vorbei an Kirche und Erzbischöflichem Palast, wo gerade Arbeiten stattfinden, geht es wieder zum Busparkplatz. Inzwischen ist es wieder so heiß, dass alle möglichst Schattenplätze zum Warten aufsuchen. Wir fahren um 12.20 Uhr zurück zum Schiff. Vor der Reise fehlte mir jegliche Vorstellung, wie es in diesem Teil Ungarns aussieht. Die Landschaft ist flach, fast wie in Norddeutschland. Auf den Feldern werden beispielsweise Mais oder Sonnenblumen angebaut. Wir fahren an vielen schicken Einfamilienhäuser vorbei. Es war sicherlich kein spektakulärer Ausflüge, aber interessante Eindrücke haben wir schon erhalten.

Wir gehen zum Mittagessen an Bord. Die Essenszeiten sind auf die Ausflugszeiten abgestimmt, heute beginnt das Mittagessen erst um 12.30 Uhr. Unsere Fahrt geht weiter bis Mohács, wo wir gegen 16.30 Uhr anlegen. Heute besuchen wir erstmals die Tea Time. Diese findet an Landtagen von 15.30 – 16 Uhr in der Lounge und an Tagen, wo man sich zu dieser Zeit auf Flussfahrt befindet, von 15 – 16 Uhr im Restaurant statt. Die Kellner gehen mit Kuchentabletts herum. Die Stückchen sind recht winzig, dadurch kann man sich problemlos durch mehrere Sorten probieren.

Nachmittags ist es uns zu heiß, aber nach dem Abendessen gehen wir noch ein wenig in den Ort. Zuerst mache ich ein Bild von unserem Schiff im Abendrot. In der kurzen Zeit, in der ich fotografiere, werde ich schon von zwei Mücken gestochen. Schnell weg vom Ufer! Innerhalb der kleinen Ortschaft werde ich nicht mehr von Mücken geplagt. Wir bummeln durch die Fußgängerzone, bevor wir zum Schiff zurückkehren.

Ab dem heutigen Tag verlängert sich die Öffnungszeit der Bar. Letzte Bestellung ist nicht mehr um 22.30 Uhr, sondern um 23.45 Uhr, die Bar schließt um 0.00 Uhr.

Samstag, 1. August 2020 Mohács
Von A-ROSA wird heute Vormittag ein Ausflug nach Pecs angeboten. Das hätte mich durchaus interessiert, vor der Reise, als die Routenplanung noch anders aussah, hatte ich diesen Ausflug auch gebucht, aber nun habe ich keine Lust darauf, morgens noch eher aufzustehen als sowieso schon. Frühstück nur bis 9.30 Uhr ist für uns schon hart genug, aber Ausflugsbeginn um 8.50 Uhr machen wir nur in Ausnahmefällen.
So können wir uns Zeit lassen und gehen nach dem Frühstück noch einmal in den kleinen Ort. Im Rathaus befindet sich eine Touristeninformation, allerdings spricht die Mitarbeiterin weder Deutsch noch Englisch. So begnügen wir uns damit, eine Foto von dem Buscho-Kostüm zu machen (das ist hier eine Tradition, im Februar verkleiden sich die Männer mit Schafswollkostümen und holzgeschnitzten Masken und treiben symbolisch den Winter aus). Noch eine Runde um ein Denkmal, dann geht es wieder zurück zum Schiff. Sehr positiv ist mir in Mohács aufgefallen, dass es viele Kinderspielplätze gibt.

Ursprünglich sollten wir gegen Mittag ablegen, doch unser Aufenthalt verlängert sich bis 15.30 Uhr, weil wir noch Trinkwasser aufnehmen. Wir bleiben aber nach dem Mittagessen an Bord. Mein Sohn freut sich schon auf 1,5 Flusstage. Auch heute ist es wieder sehr heiß, die Temperaturen überschreiten die 30 Grad. Die Landschaft entlang des Flusses ist ein wenig eintönig. Büsche und Bäume, Flachland, ab und an eine Insel oder ein Strandstreifen, den die Menschen zum Sonnen und Baden nutzen.

Abends gibt es heute noch Musik und Tanz auf dem Sonnendeck.

Sonntag, 2. August 2020 Flusstag
Eigentlich hätten wir heute gegen 22 Uhr Bratislava erreichen sollen, doch aufgrund unserer verspäteten Abfahrt in Mohács verspätet sich auch unsere Ankunft in Bratislava. So kommen wir heute in den Genuss eines reinen Flusstages.

Morgens beim Aufwachen passieren wir gerade Budapest. So kann ich noch einmal einige Sehenswürdigkeiten im Morgenlicht fotografiere.

Der Vormittag ist den Pflichten gewidmet. Mein Sohn muss noch eine Aufgabe für Französisch erledigen, ich habe Arbeitsunterlagen mit, die ich lese – immerhin draußen und mit Blick auf die Landschaft des Donauknies.

Um die Mittagszeit herum können wir dann noch einmal vom Fluss aus die Kathedrale von Esztergom bewundern.

Am Nachmittag ist es mir draußen zu heiß. Tea Time, ein bisschen Lesen, Schreiben, Duschen. Den Pool auf dem Sonnendeck nutzen wir nicht, mein Sohn will nicht, denn der Pool wird fast ausschließlich und dauerhaft von den Kindern an Bord belagert. Das ist auch in Ordnung. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen gibt es aktuell keine Kidsclub-Veranstaltungen, da ist es schön, wenn die Kinder sich wenigstens im Pool vergnügen können. Es sind übrigens eine ganze Reihe Kinder und Jugendliche an Bord, ich schätze, so um die 20. Das dürfte fast ein Fünftel unserer gesamten Passagiere darstellen.

Nach dem Abendessen lädt A-ROSA zur Schleusenparty. Wir passieren die größte Schleuse der Donau, das Kraftwerk Gabcikovo, das rund 11% des gesamten Strombedarfs der Slowakei produziert. Als wir in die Schleuse einfahren, komme ich mir vor wie in Norddeutschland – hier sitzen und fliegen Unmengen von Möwen. Für die gewaltige Schleusenkammer geht die Passage ausgesprochen schnell – innerhalb von ca. 15 Minuten wird unser Schiff um ca. 18 Meter gehoben. Das ist beeindruckend, bei vielen kleineren Schleusen dauert es länger. Nach der Schleusendurchfahrt, zu der auch Weißwurst Quiche gereicht wurde (das schmeckt übrigens besser, als es sich vielleicht anhört), gab es noch Musik und Tanz auf dem Sonnendeck. Es ist eine wunderbar laue Sommernacht, heute Abend herrscht richtig gute Stimmung. Als es dunkel genug ist und kaum noch Passagiere an Deck sind, kann ich meinen Sohn zu einem Disco-Fox überreden.

Montag, 3. August 2020 Bratislava
Heute ist Schluss mit Sonne und Hitze, es regnet. Deshalb bleiben wir nach dem Frühstück erst einmal auf dem Schiff. Von der Ankunft in Bratislava heute Nacht habe ich nichts mitbekommen. Wir haben heute Zeit bis um 20.30 Uhr, um die Stadt zu erkunden, von daher sind wir nicht in Eile. Leider ist es Montag, so dass alle Museen geschlossen haben.

Als der Regen pausiert, gehen wir zu einem ersten Bummel in die Altstadt. Bratislava ist für mich ein wenig das, was Tallin auf der Ostseeroute ist: Eine im Verhältnis zu den anderen Metropolen kleinere Stadt mit schöner, von Stadtmauern umgebener Altstadt, die man problemlos fußläufig erreichen kann. Wie Tallin kennen wir Bratislava als eine sehr quirlige Stadt, in der viele Touristen unterwegs sind. Jetzt herrscht hier gähnende Leere, am späten Vormittag sind kaum Menschen zu entdecken. Es ist fast erschreckend. Da es wieder angefangen hat zu regnen, kehren wir zum Mittagessen zurück auf unser Schiff.

Nachmittags machen wir uns noch einmal auf den Weg. Inzwischen haben zwei weitere Flusskreuzfahrtschiffe angelegt, jetzt sind mehr Menschen unterwegs. Wir besichtigen den St. Martins Dom und laufen dann hinauf zur Burg. Dort hat man einen guten Ausblick. Während sich auf dieser Donauseite die Altstadt und im Hintergrund moderne Hochhäuser befinden, ist die andere Donauseite geprägt von großen Plattenbausiedlungen.

Wir schauen uns noch den schönen Barockgarten der Burg an, dann geht es wieder zurück in die Altstadt und zum Schiff.

Beim Ablegen ist die Burg schön erleuchtet. Für uns Nordlandfahrer ist es allerdings echt gewöhnungsbedürftig, dass es abends schon um halb neun dunkel wird. Normalerweise sind wir zu dieser Jahreszeit irgendwo im Bereich der Mitternachtssonne unterwegs. Da es pünktlich nach dem Verlassen von Bratislava wieder anfängt zu regnen, trinken wir noch einen Cocktail in der Lounge, hören die Geschichten aus der Wachau der Lektorin und begeben uns dann etwas früher als sonst auf die Kabine.


Dienstag, 4. August 2020 Dürnstein und Melk
Ein erster Blick morgens aus dem Fenster zeigt uns grauen Himmel und Regen. Puh, ist das ein ekeliges Wetter. Aber wir haben ja jetzt zum Glück keine Termine und können erst einmal in Ruhe frühstücken. Danach nutze ich in der Lounge das W-LAN (dieses ist im Premiumtarif inklusive, funktioniert aber nur auf Deck 3, also in Lounge und Restaurant, aber nicht in der Kabine. Manchmal funktioniert es gut, manchmal nicht. Heute ist ein guter Tag. Die Wetter-App macht noch Hoffnung für Dürnstein, das wir heute Mittag erreichen.

Die modifizierte Route sah vor, dass wir in Dürnstein über Nacht bleiben und am nächsten Mittag nach Melk fahren. Die Donau macht uns leider einen Strich durch die Rechnung. Wir werden darüber informiert, dass wir aufgrund von Hochwasser nur bis 17 Uhr in Dürnstein bleiben können, danach soll es weitergehen bis Spitz, wo wir bis zum nächsten Tag mittags bleiben sollen.

Also auf nach Dürnstein. Wir haben Glück, es hat aufgehört zu regnen. Allerdings ist es kalt geworden, wir haben nur noch etwa 17 Grad und damit etwa die Hälfte dessen, was wir im ersten Teil der Reise an Temperaturen hatten.

In Dürnstein besichtigen wir zunächst das Stift mit dem markanten blauen Turm.

Im Anschluss bummeln wir durch den netten kleinen Ort. Auch hier, wo sich sonst teilweise Menschenmassen durch die Gassen schieben, sind nur wenige Touristen unterwegs, einige Andenkenläden und Cafés haben gar nicht erst geöffnet. Wenn es mit Corona noch lange so weitergeht, werden viele Menschen, die vom Tourismus leben, ihren Job verlieren, das ist wirklich traurig.

Wir steigen noch hinauf zur Ruine der Burg, auf der Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde. Achtung, es gibt zwei Wege, einen schwierigen und einen einfachen. Wir entscheiden uns für den einfachen. Die Wanderzeit wird mit 25 Minuten angegeben. Ich bin nun wirklich kein guter Wanderer, aber selbst ich schaffe es in 15 Minuten. Der Ausblick ist wunderbar.

Als wir zurück zum Schiff wollen, sind alle Wege, die unten an der Donau entlang führen, schon wegen Hochwassers gesperrt. Aber wir müssen doch noch zurück auf unser Schiff. Also ignorieren wir eine Absperrung und kommen auch noch trockenen Fußes zurück zum Anleger. Da es sehr ungemütlich geworden ist (grauer Himmel, ein Sturm wie an der Nordsee), gehen wir zur Tea Time in die Lounge und stärken uns mit Kakao und Kuchen. Heute gibt es u.a. super leckere Donauwellen.

Beim Ablegen gegen 17 Uhr werden wir darüber informiert, dass wir auch Spitz wegen des Hochwassers nicht anlaufen können. In Süddeutschland hat es extrem stark geregnet, so dass nicht nur der Wasserstand der Donau ständig steigt, sondern auch Äste und Baumstämme im Fluss schwimmen. Die Strömung ist sehr stark, unser Schiff muss ganz schön dagegen ankämpfen. Es wird entschieden, dass wir heute noch bis Melk fahren und dort zwei Nächte bleiben. Das ist nicht gerade mein Traumprogramm, aber die Möglichkeiten, an welchen Häfen man jetzt überhaupt noch anlegen kann, sind wohl sehr überschaubar. Schade, dass wir die schöne Passage durch die Wachau jetzt bei dunklem Himmel und schlechtem Wetter fahren müssen, aber das Wetter kann man sich leider nicht aussuchen. Die Geoffrey Chaucer, die mit uns in Dürnstein gelegen hatte, begleitet uns nach Melk.

Den Abend lassen wir in der Lounge bei einem Cocktail ausklingen. Heute wurde dort die Aufzeichnung eines Livekonzerts von Queen aus 1986 gezeigt.

Mittwoch, 5. August 2020 Melk
Die Nacht war schaukelig. Die Strömung der Donau ist noch immer so stark, dass empfindliche Menschen davon wahrscheinlich seekrank werden können.

Nach dem Frühstück bummeln wir ein wenig durch Melk. Hier ist es nicht ganz so leer, man sieht auch viele Radtouristen. 2013 waren wir auch schon einmal im Rahmen einer Radreise von Linz nach Wien in Melk. Der Donauradweg ist eine sehr schöne Strecke und wenn man von Passau oder Linz Richtung Wien fährt (und nicht umgekehrt), geht es auch tendenziell immer leicht bergab.

Gegen Mittag fängt es wieder an zu regnen, so dass wir nach dem Mittagessen erst einmal eine Pause auf dem Schiff einlegen. Das Wetter bleibt heute trübe und regnerisch, also bleiben wir auf dem Schiff. Kaffeezeit, ein wenig W-LAN Nutzung in der Lounge. Dort komme ich zum ersten Mal auf dieser Reise mit Mitreisenden ins Gespräch, die nicht meine Tischnachbarn sind. Das habe ich auf dieser Reise bisher vermisst. Aufgrund der festen Tische kennt man viele Mitreisende noch nicht mal vom Sehen, weil man sich nie begegnet. Nach einem unterhaltsamen Nachmittag möchte ich mich aber doch noch ein wenig bewegen, also laufen wir – inzwischen ist es trocken, aber immer noch trübe – noch einmal Richtung Städtchen.

Abendessen und ein Cocktail in der Lounge, dann geht ein fauler Tag zu Ende.

Donnerstag, 6. August 2020 Melk
Heute ist das Wetter wieder schön, der Pegelstand des Wasser ist deutlich gesunken. Landgangsende ist heute um 14.30 Uhr, jetzt wollen wir doch noch Stift Melk erleben.Heute fällt das Frühstück etwas spartanisch aus. Wir gehören zu den letzten Gästen, sowohl Obst als auch Joghurt sind schon nicht mehr erhältlich. Egal, ich werde auch von einem Brötchen satt, wir essen sowieso zuviel.

Wir laufen zum Stift hinauf. Auch hier, wie überall, deutlich weniger Besucher als sonst. Der Besuch ist sowohl mit als auch ohne Führung möglich. Wir besichtigen zunächst das Stift. Hier sind der Marmorsaal, die Bibliothek und die Stiftskirche besonders eindrucksvoll. Leider ist das Fotografieren in Innenräumen verboten.
Im Anschluss steigen wir noch auf die Aussichtsplattform und verbringen viel Zeit in dem schönen Stiftsgarten. Der symmetrische Aufbau und die vielen Kunstwerke gefallen mir sehr. Mein Sohn erschrickt sich fürchterlich bei den sprechenden Steinen, die die Schöpfungsgeschichte erzählen (wenn man sich nähert, geht ein Lautsprecher an). Hier im Garten hätte ich noch mehr Zeit verbringen können, doch so langsam müssen wir zurück zum Schiff. Heute gibt es ein spätes Mittagessen bis 14 Uhr. Offensichtlich waren schon alle Gäste zum Mittagessen zurück, denn wir legen noch vor offiziellem Landgangsende ab.

Jetzt folgt noch einmal ein Nachmittag, der so verläuft, wie ich mir die Flusskreuzfahrt erträumt hatte. Es ist warm, aber nicht zu heiß und wir fahren durch schöne Landschaft. Zur TeaTime gibt es heute noch kleine Stückchen Sachertorte – was will man mehr.

Leider ist heute auch schon der letzte Nachmittag, so dass auch noch so unangenehme Dinge wie Koffer packen auf dem Programm stehen.

Es gibt noch einmal ein besonders leckeres Abendessen. Zur Feier des Tages wurden heute auch erstmals Tischdecken aufgelegt.

Nach dem Abendessen gehen wir zur Prime Time in die Lounge, wo uns Kapitän, Hotelmanagerin und der 1. Offizier verabschieden. Vorher erfahren wir noch, dass wir eine Strecke von rd. 1.500 km zurückgelegt und dafür rd. 29.000 l Treibstoff verbraucht haben.

Ich packe endgültig fertig, dann noch ein Cocktail in der Lounge und dann Wecker stellen und ab ins Bett, denn morgen müssen wir früh aufstehen und werden lange unterwegs sein.

Freitag, 7. August 2020 Engelhartszell
Wie fast immer in der letzten Nacht habe ich recht unruhig geschlafen und bin schon vor dem Wecker, den ich auf 6.30 Uhr gestellt hatte, wach. Wir legen gerade in Engelhartszell an und das Wetter draußen sieht nach Waschküche aus: dicker Nebel. Ich hatte eigentlich Sandalen geplant, weil es heiß werden soll, aber jetzt krame ich doch noch mal ein paar Socken und geschlossene Schuhe hervor.

Wir frühstücken, wobei mein Appetit zu dieser früher Uhrzeit nicht sehr groß ist.

Noch einmal zurück zur Kabine, Koffer holen, dann wird auch schon sehr bald unser Transfer zum Bahnhof Passau aufgerufen. Gegen 9.30 Uhr kommen wir am Bahnhof an – und haben noch sechs Stunden Zeit, bis unser Zug fährt. Als ich vor einem halben Jahr die Fahrkarten buchen wollte, hat mich fast der Schlag getroffen, welche Preise die Bahn für Verbindungen am späten Vormittag aufruft. Deshalb habe ich eine spätere Verbindung gebucht, die erstens weniger als die Hälfte der früheren Fahrten gekostet hat und zweitens den Charme hat, dass wir bis Hamburg ohne Umsteigen durchfahren können.

Wer in früheren Jahren eine Flusskreuzfahrt auf der Donau gemacht hat und mit dem Zug nach Hause gereist ist, kennt vielleicht noch den Service, dass man auf dem Schiff seine Zugnummer angibt und das Personal der Bahn das Gepäck dann kurz vor Abfahrt an den Bahnsteig bringt. Diesen Service gibt es nicht mehr. Deshalb packen wir unser Gepäck in ein Schließfach (4 EUR, man muss passend in Münzen zahlen). Immerhin gelingt es uns, zwei Koffer und eine Reisetasche in dem Schließfach unterzubringen.

Was machen wir jetzt mit der vielen Zeit? Mein Sohn meckert, dass wir uns die Stadt schon ausführlich bei der Anreise angesehen haben. Also machen wir etwas anderes. Wir steigen zur Feste Oberhaus hinauf. Die Aussicht auf Passau ist wunderbar. Zu einer Besichtigung des Museumsteils der Feste kann ich meinen Sohn allerdings nicht mehr überreden, er ist – nicht ganz zu unrecht – der Meinung, dass er mit dem Kulturhistorischen Museum in Wien, dem Paprika-Museum in Kalocsa und den Stiften Dürnstein und Melk sein Soll an Museumsbesuchen mehr als erfüllt habe. Also legen wir nur eine Rast auf einer schattigen Bank ein (inzwischen ist es nämlich wieder sonnig und heiß), bevor wir zurück in die Altstadt laufen. Dort essen wir zu Mittag, besuchen noch ein paar Geschäfte, versorgen uns mit Proviant für die Fahrt und machen uns dann langsam auf Richtung Bahnhof.

Dann geht es auf die lange Heimreise Richtung Norddeutschland.

Fazit
Es war eine schöne Reise. 12 Nächte auf dem Fluss sind uns nicht zu lang geworden.Bei der Route waren eindeutig Wien und Budapest die Hightlights, Bratislava und Stift Melk waren auch schön, die Stopps in Kalocsa und Mohacs eher verzichtbar. In der Wachau hatten wir Pech aufgrund des schlechten Wetters und des Hochwassers. Bei schönem Wetter wäre ein Aufenthalt über Nacht in Dürnstein und ausreichend Zeit für Wanderungen in den Weinbergen sicherlich auch sehr reizvoll gewesen. Meiner Meinung nach könnte man gerne auch ohne Reiseeinschränkungen wegen Corona eine längere Donauroute in Österreich, der Slowakei und Ungarn planen als die sonst klassischen einwöchigen Touren.

Was war durch Corona anders?
Es waren spürbar weniger Touristen unterwegs als sonst. Während das in Großstädten wie Wien und Budapest positiv auffiel, habe ich es an kleineren Orten, vor allem in Dürnstein, schon fast als erschreckend empfunden, wie wenig los war.

Auch auf dem Schiff war einiges anders als sonst. Es begann mit dem Fiebermessen beim Check-in (und nur beim Check-in, danach nicht wieder). Das ist nach meinem Empfinden purer Aktionismus:
nicht jeder, der Corona hat, hat Fieber, aber umgekehrt gibt es viele andere Gründe für Fieber als nur Corona. Ich bin ganz froh, dass immerhin nur beim Check-in Fieber gemessen wurde, sonst müsste man ja fürchten, täglich des Schiffes verwiesen werden zu können, wenn aus irgendwelchen Gründen eine erhöhte Temperatur hat (die Grenze bei A-ROSA wäre wohl 37,8 gewesen).

An Bord müssen die Gäste in den Innenräumen Maske tragen. Sitzt man im Restaurant oder in der Lounge am Tisch, kann die Maske abgenommen werden. Auf dem Sonnendeck herrscht keine Maskenpflicht für Passagiere. Die Regeln entsprechen nach meinem Empfinden dem, was im normalen Alltagsleben daheim auch gilt. Auf den kurzen Wegen auf einem Flusskreuzfahrtschiff trägt man die Maske jeweils nur ein paar Sekunden. Die Passagiere auf unserer Reise waren in puncto Maskenpflicht überwiegend sehr diszipliniert. Fast alle haben sich immer an die Maskenpflicht gehalten.
Etwas anders sah das bei der Crew aus. Die Crewmitglieder mussten nicht nur in den Innenräumen, sondern auch auf dem Sonnendeck Maske tragen. So manch einer hat da die Maske nur über den Mund, aber nicht über die Nase getragen – bei der Hitze von oft über 30 Grad und den langen Wegen (Getränke wurden ausschließlich an der Bar in der Lounge ausgegeben und dann von den Kellnern in der Lounge, auf dem gesamten Sonnendeck und im Freibereich hinter dem Restaurant am Heck ausgetragen) sicherlich verständlich, aber es besteht damit natürlich ein gewisses Risiko. Die Kellner, die zu den Mahlzeiten im Restaurant bedienten, haben zwischen den Mahlzeiten in der Lounge und auf dem Sonnendeck Getränke serviert. Vielleicht muss man sich in Corona-Zeiten ein anderes Konzept mit mehr Personal und kürzeren Dienstzeiten für die Einzelnen überlegen, damit es überhaupt zumutbar ist, das Personal mit Maske bedienen zu lassen.
Auf dem Sonnendeck wurden die Liegen mit Abständen platziert. Allerdings haben im Laufe der Reise die Passagiere die Liegen zum Teil zusammengestellt. Ob da wirklich immer nur Personen aus einem Haushalt ohne Abstand nebeneinander lagen, vermag ich nicht zu sagen.

Das Essen fand an einem festen Tisch ausschließlich in Bedienung statt. Das haben wir einerseits als großes Plus empfunden (Auswahl, Qualität und Anrichtung der Speisen fanden wir sehr ansprechend, es hat uns immer gut geschmeckt). Es macht die Reise aber andererseits weniger kommunikativ. Hat man früher schon deshalb viele Kontakte geschlossen, weil man bei den Mahlzeiten mit wechselnden Personen an einem Tisch saß, lernt man jetzt höchstens die direkten Tischnachbarn näher kennen. Für Personen, die allein reisen, mag das ein Problem sein.

Der Transfer von und zum Bahnhof findet in Kleinbussen statt, in denen Maskenpflicht gilt, ebenso natürlich in Ausflugsbussen von A-ROSA (wie auch in öffentlichen Verkehrsmitteln an den Destinationen).

Sehr vorbildlich lief alles, was mit Desinfektion zu tun hatte. Handläufe, Türklinken, selbst der Einstieg in den Swimming-pool wurden mehrmals am Tag desinfiziert, ebenso die Tische im Restaurant nach jeder Mahlzeit.

Tanzen und singen in der Lounge war nicht erlaubt. Wir hatten das Glück, dass aufgrund des schönen Wetters die Abendunterhaltung manchmal auf dem Sonnendeck stattfinden konnte.

Wegen Corona bietet A-ROSA aktuell keine KidsClub Aktivitäten an. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Kinder und Jugendlichen auf unserer Reise (die immerhin geschätzt ein Fünftel der Passagiere ausmachten) trotzdem wohlgefühlt haben. Es gab W-LAN (im Premium-Tarif inklusive, allerdings funktioniert es nicht in der Kabine, sondern nur auf Deck 3 und nicht immer stabil), der Swimming-pool wurde überwiegend von den Kindern genutzt und das All-inklusive-Konzept im Premium-Tarif hat sicher nicht nur die Erwachsenen erfreut. Beim Essen gab es keine explizite Kinderkarte, aber so, wie wir es gesehen haben, war es wohl möglich, dass Kinder z.B. Pommes und Hähnchen o.ä. Bekommen. Das reguläre Essen hatte mit Kinderküche nichts zu tun.

Wir haben uns durch die Corona-Regeln an Bord nicht eingeschränkt gefühlt. Dass das Schiff nicht voll belegt war, haben wir als angenehm empfunden. Man sollte sich aber schon bewusst sein, dass auf einem Flusskreuzfahrtschiff im Falle eines Falles die Ansteckungsgefahr sicherlich höher ist, als wenn man privat in eine Ferienwohnung fährt.

Völlig indiskutabel war die fehlende Kommunikation bezüglich Schiff und Route im Vorfeld. Dass ein großer Anbieter wie A-ROSA wochenlang „abtaucht“ und weder telefonisch noch per Mail erreichbar ist bzw. reagiert, geht in meinen Augen gar nicht. Ich hoffe, dass das ein einmaliges Verhalten war und sich mit dem Wiederanlaufen der Flusskreuzfahrten auch die Kontakte zum Kunden wieder normalisieren.

Trotz dieser Punkte kann ich das Motto von A-ROSA „Schöne Zeit“ unterschreiben. Wir hatten eine schöne Zeit mit einer sehr engagierten Crew und tollen Destinationen.

Diesen Bericht mit Fotos findet Ihr unter https://www.kreuzfahrtinfos.at/forum/in ... gust-2020/