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Schiffsbewertung und Eindrücke von Bord der MS Amadea im Juli 2013

Autor: Team kreuzfahrten-mehr.de am 01.08.2013

Schiffsbewertung und Eindrücke von Bord der MS Amadea im Rahmen einer Schiffsbesichtigung in Bremerhaven

Am 29. Juli 2013 besuchte die gesamte Hochseeflotte von Phoenix Reisen das Columbus Cruise Center in Bremerhaven. Wir berichteten HIER bereits darüber.

Anlass genug, selbst vor Ort zu sein und dieses maritime Spektakel zu verfolgen.

Natürlich haben wir uns auch einen aktuellen Eindruck über die Hardware der MS Albatros und der MS Amadea verschafft. Den bekannt guten Service von Phoenix Reisen haben wir ja gerade an Bord der MS Artania auf unserer 17-Tage Kreuzfahrt nach Island, Spitzbergen und Norwegen erleben dürfen => Reiseberichte und Bildergalerie.

MS Amadea einlaufend Bremerhaven am 29. Juli 2013

Foto: MS Amadea einlaufend in Bremerhaven am 29. Juli 2013

Für einen Hardware-Test bedarf es natürlich keiner längeren Reise, hier sieht man sofort den Stand der Dinge.

Schauen wir uns also an Bord der MS Amadea um. Das 193 m lange und 29.000 BRZ große Kreuzfahrtschiff wurde im Jahr 1991 als Asuka für NYK Cruises in Japan gebaut. Am 12. März 2006 begann die erste Reise für Phoenix Reisen ab Yokohama.

Wir beginnen unseren Rundgang wieder auf dem untersten Deck, dem Neptun-Deck (Deck 4), welches ein reines Kabinendeck ist.

Foto: im Bereich der Lobby der MS Amadea

Auf Deck 5 sind die Rezeption, das Bordreisebüro, die große Lobby und das Restaurant Vier Jahreszeiten zu finden. Der Bereich um die Lobby herum ist großzügig und könnte fast als mehrstöckiges Atrium bezeichnet werden. In der Tat kann man auch von Deck 5 bis hinauf auf Deck 10 blicken aber ein richtiges Atrium ist es dennoch nicht.

Foto: in der mitte des Atriums führt jeweils eine kleine Brückenverbindung in die Kabinengänge

Mittig der beidseitig verlaufenden und die Decks verbindenden Treppen führt jeweils eine Art Brückenverbindung in die Kabinengänge (Deck 7-10). Dadurch bedingt bleibt links und rechts ein freier Blick in die Höhe bzw. in die Tiefe. Je nachdem auf welchem Deck man sich befindet. Aber ob nun die Bezeichnung Atrium passt oder nicht spielt letztendlich keine Rolle. Großzügig wirken die Decks in diesem Bereich in jedem Fall. Das Restaurant Vier Jahreszeiten beschreiben wir kurz und knapp mit den Worten „elegant, chic und hell“.

Foto: Restaurant Vier Jahreszeiten

Auf dem Orion Deck (Deck 6) lässt man seiner Kauflaune freien Lauf in den Boutiquen oder besucht Harry´s Bar nebenan. Harry´s Bar ist auch idealer Treffpunkt vor oder nach einer Show in der Atlantik Show Lounge. Diese befindet sich am Heck des Schiffes, was relativ ungewöhnlich ist. Meist sind die Theater oder Show Lounges im Bug eines Schiffes zu finden. Die Atlantik Show Lounge ist identisch ausgestattet wie die gleichnamige auf der MS Albatros. Mit einem kleinen aber entscheidenden Unterschied. An jedem der kleinen Tische befindet sich ein „Service“ Knopf. Für einen Nachschub an Getränken ist so stets gesorgt. Klasse Idee!

Foto: Atlantik Show Lounge

Auf dem darüber liegenden Promenaden-Deck befinden sich neben der oberen Etage der Atlantik Show Lounge der Jamaika-Raum, der Havanna Club und der Foto- und Video Bereich. Hinter dem Namen „Jamaika-Raum“ verbirgt sich ein Mehrzweck-Konferenzraum. Der Havanna Club ist ein Raucher Salon mit schweren, dunklen Ledersesseln und vielen Bildern zum Thema „Zigarren und Cuba“ an den Wänden. Passend zur kostbaren Zigarre kann man aus einer umfangreichen Barkarte seinen Scotch, Whiskey, Rum oder andere alkoholische Getränke wählen. Die breite und großzügige Promenade ist zum Teil überdacht und führt einmal um das Schiff herum. Auf der Back- und Steuerbordseite sind Shuffleboard Tourniere möglich.

Foto: Havanna Club

Ein Deck höher befinden wir uns im Restaurant Amadea. Diesem schnörkellos und ohne viel Schnickschnack gestalteten Restaurantbereich schließt eine große Lido-Terrasse an, natürlich mit Echtholz belegt. Der Pool schlägt in Sachen Größe keine Rekorde und ist bei den Flotten-Schwestern MS Albatros und MS Artania größer. Liegen und Mobiliar machen einen sehr guten Eindruck und auf den einzelnen, terrassenförmig angeordneten Decks findet jeder sein eigenes Ruheplätzchen.

Foto: der Poolbereich fällt insgesamt großzügig aus

Inzwischen stehen wir auf dem gleichnamigen Deck an der Jupiter Bar auf Deck 9.  Wenn man die gemütliche Kopernikus Bar durchquert, dann stößt man zur Steuerbordseite auf das Kaminzimmer im Landhausstil mit integrierter Bibliothek und den Tischtennis-Bereich.

Foto: Kopernikus Bar

Vom Panorama-Deck aus bietet der Fitnessraum einen schönen Meerblick und der Amadea SPA-Bereich mit Massage, Beautysalon und Saunen schließt sich an. Von einem Ruhezimmer aus blickt man über den kompletten Heckbereich der MS Amadea.

Natürlich bietet auch die MS Artania ein kleines Internet-Café mit vier Terminals sowie eine Aussichtslounge, die Vista-Lounge. Wie auch in der Karibik-Lounge der MS Albatros läuft abends keine Musik vom Band sondern der Gast lauscht bei einem Glas Wein echten Klavierklängen.  

Foto: Die Vista Lounge mit Meerblick

Unsere letzte Station auf der MS Amadea ist das Sonnen-Deck (Deck 11). Im vorderen Bereich sind Ferngläser installiert, so dass man die nächste Insel oder den nächsten Hafen schon besonders früh erspähen kann. Der verfügbare Platz auf dem Sonnendeck ist groß bemessen und bietet selbst bei voller Belegung der Liegen noch ausreichend Bewegungsfreiraum. Ebenfalls auf dem Sonnen-Deck kommen Golf- bzw. Minigolf-Liebhaber auf ihre Kosten und können ihren Durst an der Golf Bar zwischen den Spielen löschen.

Foto: der große Golfbereich

Insgesamt finden auf der MS Amadea 600 Gäste in unterschiedlichen Kabinenkategorien Platz.

Alle Kabinen auf der MS Amadea sind geräumig und sehr komfortabel ausgestattet. Sie verfügen über ein Bett, welches tagsüber als Couch genutzt wird und ein weiteres einklappbares unteres Bett, einige der Kabinen verfügen zusätzlich über ein einklappbares Oberbett. In nicht wenigen Kabinen sind die Betten auch verschiebbar und werden zu einem großen Doppelbett.  Neben den Schränken bietet die Spiegelkommode mit mehreren Schubfächern zusätzliche Ablagemöglichkeiten.

Foto: Beispiel einer Außenkabine

Zur Ausstattung gehören SAT-TV (Empfang abhängig vom Fahrgebiet), Video auf Abruf, individuell regulierbare Klimaanlage, Telefon, Kühlschrank/Minibar, Safe, Internetzugang mit eigenem Laptop und Netzwerkkabel (Empfang abhängig vom Fahrgebiet). Alle Bäder mit Badewanne (Die Kabinen 421, 434, 511, 864-868, 135-140 haben anstelle der Badewanne eine Dusche), Waschbecken inkl. Spiegelschrank und Fön. Bademäntel stehen zur Verfügung. Handtücher und Badelaken werden auf Wunsch täglich gewechselt. Die Fenster/Bullaugen auf dem Neptun-, Saturn-, Orion- und Promenaden-Deck lassen sich nicht öffnen. Die Kabinen/Suiten auf dem Lido-, Jupiter- und Panorama-Deck haben große Schiebetüren/Fenster und einen privaten Balkon mit 2 Stühlen und 1 Tisch. Auf Wunsch serviert Ihnen der Kabinenservice Getränke und Frühstück auf Ihre Kabine. Ein Obstkorb mit frischen Früchten wird täglich aufgefüllt.

Foto: Beispiel einer Balkonkabine

Die kleinsten Kabinen sind immerhin 16,5m² groß und somit größer als auf manch anderem Traumschiff auf dem deutschsprachigen Markt. Einige Kabinen sind mit Bullaugen ausgestattet. Diese sind wie auch die Fenster der anderen Außenkabinen nicht zu öffnen.

Foto: Royal Suite mit Meerblick aus der Badewanne

In den 28m² großen SPA-Junior-Suiten steht den Gästen auf dem Kabinenbalkon sogar ein eigener, beheizter Whirlpool zur Verfügung. Besonders in kalten Fahrtgebieten sicherlich ein absolutes Highlight. Die Royal-Suiten bieten dem Passagier eine Größe von 71m² und liegen damit auch deutlich über der Maximalgröße manch anderer Schiffe auf dem Deutschen Markt. Die Bäder der Royal Suiten bieten übrigens Meerblick von der Badewanne aus!

Die MS Amadea braucht sich in keiner Disziplin hinter den Schiffen von Mitbewerbern verstecken, hat die Nase sogar vorn.

Foto: viel Platz bietet das Promenaden-Deck

Neben ganz viel Lob haben wir dennoch einen kleinen, persönlichen Kritikpunkt. Wir haben am Tag unserer Schiffsbesichtigung in Bremerhaven angedeutet, dass das Endergebnis im Schiffstest überraschend sein wird. Dieses Geheimnis wollen wir nun lüften und auch begründen. Für uns persönlich gibt es unter den drei Flotten-Schwestern kein Flaggschiff. Alle drei Schiffe haben ihren Charme und ihre Vorzüge, wenngleich die Artania für uns den großzügigsten Eindruck machte und das persönliche „Raumschiff“ mit mehr als genügend Platz ist.

Bedingt durch ihre Konzipierung für den Kreuzfahrtmarkt in Asien erscheint uns die Amadea zum Teil nicht ganz so großzügig wie es die Zahlen darlegen. Sicherlich stimmen alle Werte aber der subjektive Eindruck war für uns ein anderer. Natürlich hat jeder Passagier ausreichend Platz und sogar deutlich mehr Freiflächen zur Verfügung wie bei den Mitbewerbern auf dem deutschsprachigen Markt aber dieses Gefühl von verschwenderisch viel Platz wie auf der MS Artania kommt auf der MS Amadea bei uns nicht auf. An Bord der MS Artania konnte unser 3 ½ -jähriger Sohn problemlos mit seinem Roller über das komplette Schiff düsen.

Foto: viel Platz auf dem Sonnen-Deck

Dies führte zu keinerlei Einschränkungen oder Problemen mit anderen Gästen. Das wäre auf der MS Amadea definitiv in der Form nicht möglich; die Gäste würden sich in vielen Bereichen gestört fühlen bzw. der Platz wäre einfach nicht vorhanden und zu groß wäre die Gefahr einer Kollision mit anderen Passagieren. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man sich an Deck oder innerhalb des Schiffes aufhält. Auch sind die einzelnen Räume nicht übermäßig groß und Phoenix Reisen vermeidet es vermutlich nicht ohne Grund, mehr als 600 Passagiere an Bord zu buchen. Dadurch bleibt das großzügige Gefühl letztendlich weitgehend bestehen. Natürlich ist unser Vergleich auch kein Standard oder entspricht irgendwelchen Richtlinien aber für uns ist er eindeutig. Daher fällt das Gesamtergebnis im Schiffsvergleich neutral aus.

Foto: die original Buchstaben vom Bug der MS Asuka zieren eine Wand im Foyer

Eine kleine Besonderheit hätten wir fast vergessen. Die Vergangenheit der MS Amadea lässt sich in einigen Bereichen nicht verleugnen bzw. sind tolle Zeitzeugen an das frühere Leben auf dem Kreuzfahrtmarkt in Asien. Im Bereich des Foyers zieren die original stählernen, japanischen Buchstaben der MS Asuka einen Wandbereich. Diese Buchstaben stammen vom Bug der MS Asuka und wurden bei der Umbenennung entsprechend entfernt und erhalten. Eine wirklich gelungene Idee! Weitere Zeitzeugen sind die Regler der Klimaanlagen in den Kabinen mit japanischer Aufschrift und die öffentlichen Toiletten mit diversen Funktionen, dessen Erklärungen ebenfalls in japanischer Schrift aufgeführt sind.  

  • die komplette Bildergalerie von Bord der MS Amadea HIER