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Schiffsbewertung und Eindrücke von Bord der FTI Berlin im August 2013

Autor: Team kreuzfahrten-mehr.de am 11.08.2013

Unsere Schiffsbewertung und Eindrücke von Bord der FTI Berlin. Ist die FTI Berlin, ein Traumschiff oder Alptraumschiff?

Offen gesagt waren wir sehr gespannt auf die FTI Berlin und deren Zustand. Das hatte mehrer Gründe. Erstmal kennen wir die FTI Berlin noch als MS Berlin unter der Führung des Reeders Peter Deilmann bzw. als damaliges ZDF Traumschiff und zudem wurde in den Medien in jüngster Zeit kaum ein gutes Wort über die heutige FTI Berlin verloren.

Foto: FTI Berlin am Columbus Cruise Center in Bremerhaven

Man hörte von katastrophalen Zuständen der Hardware und einem mangelhaften Service usw. Die Qualität des Service vermögen wir nicht abschließend zu beurteilen, denn dafür bedarf es einem längeren Aufenthalt an Bord aber für eine Beurteilung der Hardware benötigt man gewiss nicht lange. Am 09. August 2013 haben wir uns an Bord umgesehen.

Unser erster Eindruck beim Betreten der FTI Berlin über das Promenaden-Deck war überraschend positiv. Man läuft über ein echtes Holzdeck und auch die Tür zum Innenbereich war in einem perfekten Zustand, vermutlich wurde sie in naher Vergangenheit ausgetauscht.

Foto: FTI Berlin Yacht Club

Dieser Eindruck setzte sich auch im Yacht Club fort, in dem eine kurze Zusammenführung aller Teilnehmer erfolgte. Auf der Backbord- und auf der Steuerbordseite verläuft jeweils eine Promenade die mit Laminat in Holzoptik ausgelegt wurde. Das ist mal eine nette und ansprechende Alternative zum sonst üblichen Teppichboden. Im Yacht Club dominieren die hellen und freundlichen braun Töne der Stoffe, die sich von einer dunklen Wandverkleidung gut abheben. Insgesamt gefällt die Atmosphäre im Yacht Club der FTI Berlin sehr gut. Der Zustand von Polstern, Tischen und Stühlen ist insgesamt sehr gut, wenn natürlich hier und da Abnutzungsspuren sichtbar sind. Eine ansprechende Bar lädt dort zum Verweilen ein.

Foto: FTI Berlin Yacht Club mit schöner Promenade, die beidseitig verläuft

Die beidseitig des Schiffes verlaufende Innenpromenade verbindet den Yacht Club mit der Bibliothek. Diese fällt erstaunlich groß aus, was wir auf die Vergangenheit auf dem britischen Markt zurückführen. Allerdings kann man in der Bibliothek an diversen Tischen auch Karten oder andere Gesellschaftsspiele spielen. Der große Raum ist also vielseitig nutzbar. Ein Tisch mit 4 Internetterminals rundet das Angebot ab. Im Bereich des vorderen Treppenhauses befinden sich ein kleiner Shop und ein ebenso kleiner Schönheitssalon. Umrundet man nun die Promenade und läuft auf der gegenüber liegenden Schiffseite wieder zurück in Richtung Heck, dann läuft man auf eine große Spiegelwand zu. Das lässt den Eindruck einer deutlich längeren Promenade entstehen.

Foto: FTI Berlin Bibliothek

Das hintere Schiffsdrittel wird komplett vom Veranda Restaurant, einem Buffet Restaurant belegt. Auch dieser Bereich ist insgesamt sehr ansprechend. Wieder dominieren helle Farben in braun. Der Boden besteht aus dem gleichen Laminat in Holzoptik mit dem auch die Promenade des Yacht Clubs sowie diverse weitere Bereiche des Schiffes ausgestattet wurden. Das Material ist natürlich sehr pflegeleicht und resistent gegen Verschmutzungen, vermittelt zugleich aber ein maritimes Ambiente. Im Veranda Restaurant sitzt der Gast vorwiegend an vierer Tischen die jeweils durch luftige Trennwände eine intime Atmosphäre schaffen. Der Ausblick auf die Rettungsboote ist sicherlich nicht hitverdächtig, ebenso wenig begeistern die Plastikblumen auf der Fensterbank.

Foto: FTI Berlin Veranda Restaurant

Der Außenbereich des Veranda Restaurants ist grundsätzlich sehr ansprechend; schönes Holzmobiliar, echter Holzboden und ein netter Swimmingpool. Allerdings wirkt die Bestuhlung insgesamt sehr eng und es stehen keine Sonnenliegen bereit, die wirklich zu einem Poolbesuch einladen. Ein Deck oberhalb des Pools findet man drei weitere Holztische mit jeweils sechs Plätzen. Liegestühle vermisst offenbar auch hier niemand. Die verfügbare Deckfläche auf dem Sonnen- und Brücken-Deck scheint zunächst recht groß, dürfte aber bei voller Platzausnutzung und bei Nutzung aller Sonnenliegen sehr schnell zugestellt sein.

Foto: der überdachte Teil im Außenbereich des Veranda Restaurant der FTI Berlin

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs standen kaum Sonnenliegen auf den Decks, was somit einen großzügigen Eindruck machte. Insgesamt fanden wir Stapel mit einer Anzahl von nicht aufgestellten Sonnenliegen die im 3-stelligen Bereich liegen. Der blaue Plastikboden auf den beiden Decks ist sicherlich Geschmacksache und immerhin besser als Kunstrasen aber in einigen Bereichen hätte man vielleicht ein anderes Material wählen können. Der Zustand des Bodens war insgesamt allerdings einwandfrei und sauber, was man von anderen Bereichen nicht behaupten kann. Dazu aber später mehr.

Foto: Außenbereich des Veranda Restaurant mit Pool

Der Verbindungsgang zu den Suiten auf dem Brücken-Deck könnte breiter sein, denn eine Durchquerung ist jeweils nur ohne Gegenverkehr möglich. Apropos Kabinen, insgesamt befinden diese sich alle in einem relativ guten Zustand. Einzelne Elemente stammen noch aus Deilmann-Zeiten, ein Großteil der Kabineneinrichtung ist jedoch längst ausgetauscht und mehrfach renoviert worden. In den Suiten gibt es sogar Glaswände in den Duschen und keine Stoffvorhänge. Die von uns gesichteten Bäder in den Kabinen der unteren und oberen Kategorien sind alle mit echten Fliesen versehen, was in dieser Form heute kaum noch zu finden ist. Die Fliesen der älteren Bäder könnten fast noch aus Deilmann-Zeiten stammen, zumindest wenn man die Farbe beige in Betracht zieht.

Foto: in den Suiten findet man tolle Bäder mit neuen Duschen ohne Stoffvorhänge vor

Überraschend groß wirken alle Kabinen und die Fakten belegen dies auch. Selbst die kleinsten Innenkabinen sind 13m² groß und die Außenkabinen bieten immerhin einen Platz von 16m². Damit sind die Kabinen sogar etwas größer wie auf  dem aktuellen ZDF-Traumschiff MS Deutschland! Noch deutlicher wird dies im Vergleich der jeweils größten Suiten beider Schiffe. Die Grande Suite der MS Deutschland bietet bescheidene 30m² Platz für den Luxuskreuzfahrer und die Grand-Suiten der FTI Berlin bieten dem 3-Sterne Kreuzfahrtgast immerhin 37m²! Das macht deutlich, dass sich die Kabinen der FTI Berlin längst nicht hinter denen aktueller Schiffe verstecken brauchen.

Foto: die beiden 37m² großen Grand Suiten bieten einen separaten Wohn- und Schlafbereich

Die Ausstattung aller Kabinen ist durchweg vorzeigbar und ohne große Mängel behaftet. Die Suiten zeigen deutlich den britischen Stil aus den Zeiten bei SAGA Cruises, die Standardkabinen dagegen haben zum Teil schon den Charakter einer Segel-Yacht.

Foto: Außenkabine B-Deck mit Doppelbett und 2 Bullaugen

Insbesondere jene Kabinen der unteren Decks, die über jeweils zwei große Bullaugen verfügen an denen die Stahlkappen zum Schutz vor Seeschlag an den Decken befestigt sind. Einige Zierleisten aus Messing verrichten definitiv schon seit der Jungfernfahrt der MS Berlin ihren Dienst, passen allerdings nicht mehr zum restlichen Einrichtungsstil.

Foto: Außenkabine Haupt-Deck mit getrennten Betten und Fenstern (keine Bullaugen)

Auch harmonieren goldene Bilderrahmen nicht wirklich mit weißen Schnörkelleisten an Wänden und Decken. Manche Matratze hatte ihre besten Jahre offenbar auch bereits hinter sich und war leicht eingedellt. Einige Teppiche könnten eine Grundreinigung mit Teppichschaum vertragen. In allen Kabinen (auch Innenkabinen) liegen übrigens Ferngläser zur kostenfreien Nutzung aus. Besonders pfiffig ist die Idee zum Einbau von Schranktüren gewesen, die bei stärkeren Schiffsbewegungen nicht permanent klappern. Ein entsprechender Verschluss verhindert dies. Die Anzahl der Bügel in den Schränken variierte bei den von uns gesichteten Kabinen der gleichen Kategorie.

Foto: Innenkabine A-Deck mit zwei getrennten Betten

Die meisten Kabinen verfügen analog der älteren Zielgruppe über getrennt stehende Betten; immerhin stehen aber in ca. 50 Kabinen auch feststehende Doppelbetten zur Verfügung. Erfreulich sind auch die zeitgemäßen Flachbildfernseher in allen Kabinen. Alle Kabinen schließen übrigens noch mit „richtigen“ Schlüsseln an Stelle der modernen Plastikkarten. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Verliert man einen Schlüssel, ist Ersatz nicht mal eben so schnell greifbar wie eine neu codierte Türkarte; aber immerhin kann man keinen Magnetstreifen durch die Lagerung in der Nähe eines Mobiltelefons zerstören. Letzteres ist uns selbst schon einige Male im Laufe einer Kreuzfahrt passiert.

Foto: alle Kabinen sind noch mit einem Schließsystem mit Schlüssel ausgestattet

Die Treppenhäuser der FTI Berlin zeigen sich sauber und ordentlich in unterschiedlichen Designs. Die damaligen Messing-Geländer sind längst durch zeitgemäße Edelstahl-Varianten abgelöst und harmonieren mit den blauen Teppichen und Bodenbelägen. Einige Treppen sind relativ steil und für Gäste mit Gehbehinderungen nicht besonders ideal.

Foto: die Treppenhäuser der FTI Berlin machen durchweg einen guten Eindruck

Insgesamt sollte man berücksichtigen, dass die FTI Berlin keinesfalls für Rollstuhlfahrer zu empfehlen ist. Auf dem gesamten Schiff steht auch lediglich ein einziger Fahrstuhl zur Verfügung und dieser reicht nicht einmal bis Brücken- oder Sonnendeck! Damit sind auch die Suiten nur über Treppen zu erreichen! Abgesehen davon, dass die Gänge und sämtliche Schiffsbereiche überhaupt nicht mit einem Rollstuhl zu befahren wären und es auch keine entsprechenden Kabinen an Bord gibt!

Foto: der Verbindungsgang zu den Suiten auf dem Brücken-Deck ist sehr eng

Ebenfalls sehr zeitgemäß präsentiert sich die Sirocco Lounge in einem ansprechendem Farbdesign. Allerdings hätte man vielleicht als Feinschliff identische Tische für alle Sitzgruppen verwenden sollen. Die Sirocco Lounge befindet sich auf dem Haupt-Deck.

Foto: die ansprechende Sirocco Lounge

Direkt darunter stößt man auf ein echtes Relikt vergangener Tage bzw. aus Zeiten als ZDF-Traumschiff. Die Wandverkleidungen der Eingangshalle sowie auch die Verkleidungen des Ausflugsbüros und der Rezeption sind noch Original aus den Anfangsjahren. Allerdings passen weder die restlichen Möbelstücke noch die Verkleidung des Treppenhauses optisch dazu. Die Blumendekoration ist leider auch hier nur aus Plastik.

Foto: ebenfalls sehr ansprechend, das Restaurant der FTI Berlin

Das angrenzende Restaurant passt zu den anderen Schiffsbereichen und ist ohne Schnörkel und ohne Spielereien eingerichtet. Auch hier findet sich der Bodenbelag aus Laminat in Holzoptik in einigen Bereichen wieder. Die Farben der Hölzer harmonieren jedoch nicht. Stühle, Boden, Wandverkleidungen zeigen sich jeweils in einem anderen Design. Letztendlich ist das Ambiente aber doch recht ansprechend. Und ein bunter Mix aus Hölzern hat irgendwo auch seinen Charme und verleiht dem Schiff eine persönliche Note.

Foto: Restaurant FTI Berlin

Soweit nun die meist positiven Eindrücke die das Schiff durchweg als eine klare Empfehlung deklarieren. Allerdings hat all der positive Glanz auch deutliche Schwächen. Natürlich will die FTI Berlin nicht im Premiumsegment punkten aber unserer Meinung nach fehlt eine klare Führungslinie und auch im Mittelklassebereich sind gewisse Gepflogenheiten Pflicht. Leider können wir das Abschlussurteil der FTI Berlin nicht so positiv ausfallen lassen, wie wir gerne würden.  Die Tatsache, dass es nur einen Fahrstuhl an Bord gibt, kann man nicht FTI bzw. keinem der Nachbesitzer anlasten. Man fragt sich vielmehr, warum das Schiff seinerzeit mit nur einem Fahrstuhl ausgestattet wurde. Die Zielgruppe der Kreuzfahrtgäste lag von Beginn an doch schon deutlich oberhalb des Jugendalters. Und selbst erheblich ältere Schiffe verfügen mindestens über zwei Fahrstühle. Das Rätsel wird ungelöst bleiben.

Foto: die FTI Berlin verfügt nur über einen kleinen Fahrstuhl, der auch nicht alle Decks verbindet

Im Restaurant ist uns aufgefallen, dass die Servietten nicht einheitlich gefaltet wurden bzw. Wäschestärke fehlte. Die Faltungen sind wieder zusammengefallen, was einen lieblosen Eindruck machte. Dieser wurde durch unterschiedlich gelegtes Besteck noch verstärkt. Mittelklasse hin oder her, hier ist kein Geld für ein ordentliches Erscheinungsbild nötig sondern ein geschultes Auge. Wir haben uns auch gefragt, warum auf einigen Tischen die Gläser zum Schutz vor Staub umgedreht  waren und auf anderen nicht? Ein kleines Blumengebinde oder auch eine einzelne Blume in einer Vase pro Tisch hätte sicherlich das positive Grundambiente betont.

Foto: der Außenbereich macht einen großzügigen Eindruck, hier fehlen allerdings die Sonnenliegen

Warum noch beim Eintreffen der neuen Gäste der Holzboden am Pool nicht gereinigt war, können wir nicht nachvollziehen. Getränke- und Speiseflecken der letzten Gäste machen einen schmuddeligen Eindruck. Warum sind nicht alle Aschenbecher auf den Tischen geleert, wenn die neuen Gäste eintreffen? Warum stehen nicht alle Stühle wieder in Reih und Glied an den Tischen? Warum liegen noch Papierreste im Außenbereich des Veranda Restaurants auf dem Boden wenn bereits wieder „check-in“ ist? Warum wurde der Sitzrand um den Pool herum nicht gereinigt? Hier sind deutliche Flecken undefinierbarer Flüssigkeiten erkennbar gewesen!? Warum werden lose Kacheln im Pool nicht geklebt? Der Schornstein hätte ebenfalls mal eine Reinigung vertragen können; schwarze Rußflecken erwecken kein Urlaubsgefühl.

Foto: schöne Holzdecks gibt es, mit aufgestellten Liegen wird der Platz aber schnell begrenzt

Viele Treppen im Außenbereich müssten abgeschraubt, geschliffen und neu lackiert werden, dicke Rostblasen an den Geländern müssten abgeklopft, geschliffen und neu gestrichen werden. Da gammelt der Stahl an diversen Stellen vor sich hin.

Warum repariert man völlig verrostete und durchlöcherte (!) Türen nicht? Wir haben lange überlegt, ob wir nachfolgendes Foto veröffentlichen sollen. Leider ist diese Tür aber kein Einzelfall und auch nicht das schlimmste „Rostfraß-Objekt“ gewesen und daher wollen wir symbolisch mit diesem Foto den Außenzustand dokumentieren. Der Gast liegt auf seiner Sonnenliege und schaut überall auf Rostflecken und gammlige Stellen. Das schafft gewiss keine Urlaubsatmosphäre. Und Löcher in Stahltüren sind auf einem Kreuzfahrtschiff schon recht herb.

Foto: leider kein Einzelfall im Außenbereich, vergammelte Türen mit Löchern und Rostfraß

Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass all diese Dinge ohne großen Kostenaufwand zu beseitigen wären. Dazu ist kein Werftaufenthalt nötig! Lediglich eine vernünftige Schiffsführung! Irritiert hat uns auch die Tatsache, dass zu Beginn der Einschiffung neuer Gäste ein Treppenaufgang im Außenbereich zwischen Promenaden-Deck und Brücken-Deck für Lackierarbeiten gesperrt wurde.  Löblich, dass man offensichtlich Ausbesserungen machen wollte aber doch bitte nicht zum Beginn der Einschiffung neuer Gäste!! Und nein, es hat den Vormittag lang nicht geregnet! Warum repariert man nicht andere Bereiche zuerst? Der Zustand des Treppengeländers war im Vergleich zu anderen Bereichen noch hervorragend. Koordiniert denn so etwas keiner an Bord?

Den größten Fauxpas allerdings leistete man sich bei der Kabinenreinigung. Zunächst wurde der Toilettendeckel gereinigt und danach mit selbigem Tuch der Duschkopf sowie die Seifenablage. Das geht überhaupt nicht! Es bleibt unserer Fantasie überlassen, wie gründlich die Reinigung insgesamt ausfällt.

kabine FTI Berlin

Foto: kein Drama aber warum sieht das niemand? Diese Kabine ist neu bezugsfertig!

Die fleckigen Teppiche in den Kabinen lassen sich sicherlich mit Teppichschaum reinigen und tragen dann wieder zu einem insgesamt doch stimmigen Gesamtbild bei. Kleine Fehler sollten auch entdeckt und beseitigt werden. So fanden wir eine der Namenskarten hinter einem Bilderrahmen klemmend, abgelöste Klettverschlüsse an Vorhängen und schiefe Bilder an den Wänden 

Wir haben einen Bereich im Zuge unserer Schiffsbeschreibung bisher ausgelassen. Und zwar den Bereich des D-Decks. Hier befindet sich der Innenpool sowie der Sauna- und Fitnessbereich. So suggerieren es zumindest noch alle Deckpläne auf der FTI Berlin sowie auch die Printversion, welche uns ausgehändigt worden ist! Im Jahreskatalog 2012/2013 ist ebenfalls noch ein Pool verzeichnet. Erst im Katalog 2014 sowie auf der Homepage steht der Poolbereich mit „Gymnastik“ ausgeschrieben.

Poolschild FTI Berlin

Foto: noch immer weisen Schilder im Treppenhaus auf einen längst geschlossenen Pool hin

Abgesehen von den Deckplänen auf dem Schiff sind auch immer noch alle Beschriftungen an Bord vorhanden, die auf einen Pool hinweisen! Deckpläne lassen sich nicht unbedingt direkt austauschen aber immerhin steht der Pool nun schon von Beginn an bei FTI Cruises leer. Zunächst sah man ihn eine Zeit lang leer stehend im Ursprungszustand und aktuell ist er, von den ehemaligen Glasscheiben befreit, komplett überdeckelt. Warum aber weiterhin auf dem gesamten Schiff von einem Pool die Rede ist, können wir nicht nachvollziehen. Wieso entfernt man die Schilder im Treppenhaus nicht einfach, wenn doch kein Ersatz vorhanden ist? Wenigstens das übergroße Schild „Pool and Fitness“ im Eingangsbereich könnte lange entfernt worden sein! Eine solche Entfernung kostet kein Geld und ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Im Zweifelsfall hätte man einfach ein großes Bild darüber hängen können. So, wie sich uns dieser Bereich zeigte, geht es jedenfalls nicht und schafft bei einem zahlenden Gast evtl. für unnötige Verwirrung!

Foto: auch hier sind immer noch Schilder angebracht die auf einen Pool hinweisen

Bewusst haben wir mit dieser Schilderung bis zuletzt gewartet, obwohl wir unseren Rundgang dort begonnen haben. Offen gesagt waren wir zu diesem Zeitpunkt recht schockiert. Der Saunabereich ist aktuell völlig unattraktiv und in einem sehr schlechten Zustand. Überall lösen sich die Verkleidungen, ist das Holz der Türen vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen und die Sauna-Kabinen extrem unattraktiv. Wir würden in jedem Fall auf einen Saunagang verzichten. Etwas seltsam auch die herumliegenden Teile von Fitnessgeräten?!

Foto: der inzwischen überdeckelte Pool

Der Deckel auf dem Poolbereich wird offenbar derzeit für Gymnastikstunden genutzt. Nur aufstehen darf man nicht, dann stößt man unweigerlich an die Schiffsdecke! Gerne hätten wir den Bereich unter realen Umständen gesehen. Erst dann könnten wir sicherlich erklären, wie die Kreuzfahrtgäste die alte Poolleiter hinaufsteigen, über den Rand klettern und in gebückter Haltung an Gymnastikstunden teilnehmen. Wir sind bei einem kleinen Test bereits auf Höhe der zweiten Stufe an die Decke gestoßen. Völlig schleierhaft, wie man dort Gymnastik machen soll.

Allerdings wurde uns versichert, dass der komplette Bereich wohl beim nächsten, anstehenden Werftbesuch entfernt werden soll und man dort dann Fitnessgeräte aufstellen wird. Bei der Gelegenheit sollten die Ur-Geräte aus den Anfangsjahren gleich mit entfernt werden. Bleibt zu hoffen, dass dann spätestens auch die „Pool-Schilder“ an Bord verschwinden und keine Erinnerungen an einen Pool mehr bleiben. Die Pflegeprodukte in den Vitrinen stammen noch aus SAGA-Zeiten.

Foto: der gesamte Saunabereich hat seine besten Jahre lange hinter sich und wirkt wenig einladend

Damit schließen wir nun auch unseren Rundgang über die FTI Berlin. Zu welchem Ergebnis kommen wir nun? Bewusst deutlich formuliert ist die Kritik, die uns offen gesagt auch etwas ärgert. Warum? Weil ein Großteil dieser Negativpunkte unnötig ist und längst hätte beseitigt werden können. Es ist sicherlich übertrieben, wenn man den gesamten Schiffszustand als desolat oder schrottreif bezeichnet!

Foto: 30 Sonnenliegen, 1 Klappstuhl und 2 Tische im Biergarten...?!

Fakt ist aber, die FTI Berlin ist nicht mehr das ZDF-Traumschiff vergangener Tage und will dies auch nicht mehr sein. Völlig falsch ist es, mit dem Gedanken an Bord zu gehen das alte Traumschiff bzw. die MS Berlin vorzufinden. Stammgäste von damals würden sich vermutlich nicht mehr wohlfühlen an Bord, zu groß sind die Veränderungen aus der Zeit bei SAGA Cruises. Im Grunde ist die FTI Berlin schon lange ein komplett neues Schiff. Nach Rückkehr auf den deutschsprachigen Markt bekam sie allerdings sofort den Stempel aufgedrückt, das ehemalige Traumschiff gewesen zu sein bzw. musste mit der von vielen Reiseagenturen und auch den Medien verbreiteten Schlagzeile „das Traumschiff ist zurück“ klar kommen. FTI Cruises hat ein schweres Erbe angetreten und war der erste Anbieter, der das Schiff nach dem Weggang von der Peter Deilmann Reederei auf den deutschen Markt zurückholte. Ungünstig war sicher auch die direkte Übernahme ohne vorherigen Werftaufenthalt und ohne perfekt eingespieltes Personal. Ein Alptraumschiff ist die FTI Berlin aber absolut nicht!!

Die FTI Berlin ist heute ein Schiff ohne Schnick Schnack mit klaren Linien und klaren Designelementen in einem grundsätzlich vernünftigen Zustand. Man macht sich das Leben allerdings selbst unnötig schwer, in dem man prinzipiell selbstverständliche Dinge zu lange unbeseitigt lässt bzw. an der falschen Stelle ansetzt, so unser Eindruck. Das Schiff ist nun seit einigen Monaten bei FTI Cruises in Dienst und da hätten einige der uns aufgefallenen Kritikpunkte lange behoben sein können. Durchgreifende Führungskräfte an den entsprechenden Stellen, welche die Probleme erkennen und schon läuft der „Laden“. Wir würden es der FTI Berlin bzw. FTI Cruises jedenfalls wünschen.

Übrigens: Unser Testessen an Bord war schmackhaft und gut. Zur Weltspitze wird man damit sicherlich nicht aufsteigen können aber satt wird man in jedem Fall. Am Ende unseres Aufenthalts an Bord schauten wir uns im Veranda Restaurant noch das Buffet an und kommen zum gleichen Ergebnis. Begeisterungssprünge macht man hinsichtlich der Auswahl (Salate, kaltes und warmes Buffet) sicherlich nicht aber die Qualität stimmte. Und bitte nicht vergessen, wir befinden uns nicht im Premiumsegment!

Foto: interessantes Schiffsmodell! Hierbei handelt es sich um ein original Modell der MS Berlin, worauf noch das Messingschild in der Vitrine hinweist und die MS Berlin beschreibt. SAGA Cruises hat es dann einfach übermalt bzw. überklebt und die Spirit of Adventure daraus gemacht. Zu sehen ist es ja nun auf der FTI Berlin, eine interessante Kombination.

Details und Informationen zur FTI Berlin:

Den meisten Schifffans wird sie noch unter dem Namen MS Berlin bzw. mit deutscher Flagge am Heck in Erinnerung sein. Die FTI Berlin ist eigentlich eine Kielerin, denn sie wurde im September 1979 dort auf der HDW (Howaldswerke Deutsche Werft) auf Kiel gelegt. Die Fertigstellung der MS Berlin erfolgte am 27. Juni 1980. Seinerzeit allerdings nur mit einer Schiffslänge von 122,5 m und einer Größe von 7.812 BRZ! Gebaut wurde das Vier-Sterne-Plus Kreuzfahrtschiff für die Peter Deilmann Reederei in Neustadt/Holstein.

Von 1982 bis 1985 wehte die Flagge Singapurs am Heck und am Bug stand der Name Princess Masuhri. Ende 1986 erfolgte auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg ein großer Umbau, bei dem das Kreuzfahrtschiff um 16,8 m auf eine Gesamtlänge von 139,3 m verlängert wurde. Die Passagierkapazität erhöhte sich von 330 auf maximal 420.

Von 1986 bis 1998 konnte man das Schiff regelmäßig unter dem Baunamen MS Berlin im heimischen Wohnzimmer bestaunen. Die MS Berlin war wie bereits oben erwähnt „Das Traumschiff“ der ZDF-Fernsehserie. Nach vielen glanzvollen Jahren bei der Peter Deilmann Reederei, die das Kreuzfahrtschiff für weltweite Kreuzfahrten einsetzte, endete der Dienst für die Reederei im Jahr 2004. Nach einer Aufliegezeit von 3 Monaten im italienischen Genua kaufte der britische Kreuzfahrtanbieter SAGA Cruises das Schiff und vercharterte es im Jahr 2005 an den russischen Anbieter Metropolis Tur. Dieser setzte das 9.570 BRZ große Kreuzfahrtschiff unter dem Namen MS Orange Melody für Kreuzfahrten in Europa ein.

Bei einem erneuten Umbau wurde  die Passagierkapazität von 420 auf 352 gesenkt, was durch den Umbau von Doppel- zu Einzelkabinen erreicht wurde. Fortan ist das Kreuzfahrtschiff unter dem Namen Spirit of Adventure im Einsatz gewesen. Im August 2011 wechselte das ehemalige ZDF-Traumschiff dann zur FTI Group die es seit Mai 2012 als FTI Berlin für die Tochterfirma FTI Cruises zu einzigartigen Kreuzfahrtrouten in See stechen lässt.

Überwiegend wurde die FTI Berlin bislang zu Zielen im Mittelmeer eingesetzt, im Sommer 2013 zeigte sich der Kreuzfahrtklassiker aber kurzzeitig auch in Nordeuropa sowie in der Geburtsstadt Kiel. Auch in der Saison 2014 wird man die FTI Berlin an der Weser begrüßen können. Erstmals dann am 07. Juni 2014.

  • komplette Bildergalerie von Bord der FTI Berlin => HIER