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Nord-Ostsee-Kanal ab 09. September 2013 erneut von Streiks betroffen

Autor: Team kreuzfahrten-mehr.de am 05.09.2013

Nord-Ostsee-Kanal und Kreuzfahrtschiffe ab dem 09. September 2013 erneut massiv von Streiks betroffen, so die heutige Ankündigung der Gewerkschaft ver.di

Nach einer ferienbedingten Pause werden ab Montag, den 09. September 2013 die Streiks in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wieder aufgenommen, vorerst bis zum Sonntag, den 15. September 2013.

Zum Auftakt wird es an verschiedenen Orten am Montag Streikversammlungen geben und eine vorerst siebentägige Streikwelle eingeleitet werden.

Die Verantwortung für die Streiks und dessen Folgen wird geschickt nach Berlin geschoben, denn es wird weiterhin auf eine verbindliche Zusage der Bundesregierung zur Absicherung der Beschäftigten gewartet. Der Bundeskanzlerin Merkel wirft man tatenloses Zusehen vor.

Nach Ansicht der Gewerkschaften werden die Reformen in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die bisher bewährten Strukturen zerschlagen und mehr als 2.500 Arbeitsplätze gefährden, welche man durch die Streikmaßnahmen in jedem Fall erhalten will. Die Gewerkschafter wollen erst Ruhe geben, wenn sich die verantwortlichen Minister an den Verhandlungstisch begeben und ihre Zusage zum rechtsverbindlichen Tarifvertrag machen.

Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal bei Kudensee

Foto: Schifffahrt im Nord-Ostsee-Kanal ruht ab Montag für zunächst 7 Tage

Die Gewerkschafter führen weiter aus, die Streiks als letztes Mittel zu sehen und die Folgewirkungen so gering wie möglich halten zu wollen.

Dazu die Forderungen im Detail:

  • Ausschluss von betriebsbedingten Beendigungskündigungen, einschließlich Änderungskündigungen.
  • Ausschluss von Versetzungen gegen den Willen der Beschäftigten.
  • Keine finanziellen Nachteile durch mögliche Organisationsänderungen.
  • Schaffung von Anreizen zur Mobilitätsförderung.
  • Keine Quotierung bei Altersteilzeitverträgen und Anspruch auf das Blockmodell.
  • Möglichkeit des freiwilligen Ausscheidens unter Zahlung von Abfindungen.
  • Einbeziehung der Beschäftigten und Interessenvertretungen gewährleisten und Verpflichtung zur Erstellung eines Personalentwicklungskonzeptes.
  • Fachkräftemangel vorbeugen – Ausbildungsquote vereinbaren, befristete Übernahme bei Ausbildung über Bedarf.
  • Möglichkeit einer Ruhensregelung vereinbaren.


Der Geltungsbereich des Tarifvertrages soll das gesamte BMVBS umfassen und eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren haben.

Unserer Meinung nach sind die Folgen dieser erneuten Streikwelle noch gar nicht absehbar, denn betroffen sind in erster Linie unzählige Unbeteiligte! Dazu zählen wie zum Beispiel die mittelständischen Unternehmen welche von den Wasserstraßen abhängig sind und leben, kleine Reeder die ihr monatliches Einkommen nicht mehr sicherstellen können sowie auch große Reedereien die im Fall des Nord-Ostsee-Kanals nun den großen Umweg um Dänemark fahren müssen. Natürlich werden auch wieder Kreuzfahrtreedereien betroffen sein, die ihre Routen abermals in diesem Jahr ändern müssen. Nicht nur durch die wiederholten Streikwellen sondern auch durch die maroden Schleusen in Brunsbüttel und Kiel waren die Reedereien in diesem Jahr mehrfach betroffen.

Die neue Streikwelle wird in jedem Fall folgende Kreuzfahrtschiffe und Reedereien betreffen:

Die Silver Whisper von Silversea Cruises, die Saga Ruby von Saga Holidays, die Discovery von Voyages of Discovery und die AIDAcara von AIDA Cruises

AIDA Cruises war bereits im Zuge der letzten Streikwelle gezwungen, die AIDAcara durch das Skagerrak zu schicken. Nicht nur bei AIDA Cruises zeigt man sich wenig erfreut über diese neue Routenänderung.

Zuletzt musste Seabourn Cruise Line bereits die Seabourn Pride um Dänemark schicken, Hapag Lloyd Kreuzfahrten die MS Europa, Azamara  Club Cruises die Azamara Quest, Hansa Touristik die Ocean Majesty und Thomson Cruises die Thomson Spirit.

Alle Fans der Saga Ruby, welche die letzte Durchfahrt dieses Schiffsklassikers verfolgen wollten, trifft es ebenfalls sehr hart. Die Saga Ruby wird man nun wohl nie wieder im Nord-Ostsee-Kanal sehen, denn zum Jahresende wird das Schiff bei Saga Holidays außer Dienst gestellt.

Saga Ruby im NOK 2013

Foto: Saga Ruby im Sommer 2013 im Nord-Ostsee-Kanal

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird es ab Montag für zunächst 7 Tage sehr ruhig bei uns am Nord-Ostsee-Kanal.

Besonders betrübt sind wir in diesem Zusammenhang über die  anstehenden Bundestagswahlen, denn ob es vorher noch eine Einigung geben wird ist fraglich. Die besonders umweltfreundliche Binnenschifffahrt verliert zudem ohnehin Marktanteile, weil die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (eigenes Motto: „Wir machen Schifffahrt möglich“) den Schiffsverkehr blockiert. Offenbar passt ein Streik aber in das Konzept. 

Wir erleben hier eine völlig groteske Situation: Verdi kämpft für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Verwaltung – und vernichtet gleichzeitig Arbeitsplätze in der Schifffahrt! Für uns völlig unverständlich!


+++UPDATE 07. September 2013+++

Kein Streik am Nord-Ostsee-Kanal vom 09.-15. September 2013!!

Der Streik der Schleusenmitarbeiter ist zumindest vorerst abgewehrt, so die neuesten Informationen! Die Gewerkschaft ver.di einigte sich mit den beteiligten Bundesministerien auf neue Gespräche im Tarifstreit. Weitere Infos hier bei KN-online!

Zumindest kann der Schiffsverkehr nun vorerst weiterlaufen, sofern die Schleusen keine neuen Probleme bereiten. Ob und wann es zu neuen Streiks kommen wird, ist unklar. Abzuwarten bleibt dennoch, ob alle Kreuzfahrtschiffe planmäßig in der kommenden Woche den Kanal passieren werden. Die britische Reederei Fred. Olsen Cruise Lines hatte heute ihr Kreuzfahrtschiff MS Balmoral aufgrund der laufenden Probleme mit den Schleusen und den daraus resultierenden, langen Wartezeiten nicht durch den Nord-Ostsee-Kanal sondern um die Küste Dänemarks herum nach Kopenhagen geschickt...

Stand: 07. September 13:30 Uhr