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Falschberatung zum Thema Kreuzfahrten mit Kind und die möglichen Folgen

Autor: Team kreuzfahrten-mehr.de am 20.10.2013

Immer wieder liest man nicht nur auf Onlineplattformen, auf den Seiten von „Kreuzfahrtprofis“ oder in den Blogs vermeintlicher "Experten" die spannenden Berichte über Kinder und Kreuzfahrten. Eine Falschberatung zum Thema Kreuzfahrten mit Kind kann allerdings gravierende Folgen nach sich ziehen.

Es geht letztendlich immer wieder um die Frage, ob auf Kreuzfahrten mit Kind die Kinder auch genügend Bespaßung an Bord erfahren. Beurteilt wird meist nach der Masse an Angeboten für Kinder und ob es auch Landausflüge für Kinder auf solchen Kreuzfahrten gibt.

Wir fragen uns allerdings, wie man so etwas überhaupt beurteilen möchte? Sind die Kinder gefragt worden oder schreiben die Eltern ihre eigenen Vorstellungen nieder? Und ist es nicht auch so, dass die Kinder sich an den Eltern orientieren? Interessieren sich die Eltern für bestimmte Dinge, so sind Kinder bis zu einem gewissen Alter auch dafür zu begeistern. Sind die Eltern Kulturmuffel oder haben kein Interesse an Land und Leuten, so wird es das Kind in der Regel auch nicht haben.

Kinderkreuzfahrten

Wir haben unseren inzwischen fast 4-jährigen Sohn bereits auf großen US-Kreuzfahrtschiffen, und im Gegensatz dazu, auch auf klassischen Kreuzfahrtschiffen dabei gehabt. Jeweils natürlich auf längeren Reisen, um auch unser persönliches Fazit daraus schließen zu können. Zusätzlich sprachen wir mit Eltern anderer Kinder sowie auch Kinderärzten und Psychologen und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.

Kinderprogramme sind toll, ganz klar! Insbesondere aber für die Eltern, da sie die Kids für eine gewisse Zeit „los“ sind. Kinderprogramme und Ausflüge machen auch Sinn, ohne Frage. Aber wo bleibt letztendlich die Kreativität der Eltern, sich mit ihren Kindern im Urlaub selbst zu beschäftigen? Dazu hört man dann meist die Ausrede „Man würde sich nach den Wünschen der Kids richten und sie nicht mit Kultur und Elternprogrammen langweilen wollen“.

Wir haben allerdings auch viele Eltern getroffen, die dazu durchaus noch in der Lage sind bzw. wo die Kinder lieber am Landprogramm der Eltern teilnehmen weil sie den Urlaub mit ihnen toll finden. Endlich sind die Eltern mal greifbar und haben Zeit. Wie gesagt, immer unter dem Vorbehalt des Alters eines Kindes.

Kinder sind neugierig und lassen sich auch auf scheinbar „öden“ Landausflügen mit den Eltern von vielen Dingen begeistern. Sicherlich ist ein Museumsbesuch übertrieben aber ein 3-jähriges Kind findet durchaus Gefallen an einem Fischmarkt, an Möwen im Hafen, an Pferden auf einer Weide, an Blumen… Kinder in diesem Alter sind schlau wie ein Fuchs und sicherlich auch keine Wunderkinder wenn sie ein Rentier von einem Pferd unterscheiden können. Kinder in diesem Alter nehmen alle Erklärungen der Eltern an und behalten diese in der Regel auch. Immerhin hält unser Sohn ein Tenderboot von einem Lotsenboot auseinander und kann eine kleine Fähre von einem Kreuzfahrtschiff unterscheiden. Das liegt vielleicht aber auch an der „Krankheit“ des Vaters. Kinder sind heiß auf Erklärungen und Informationen der Eltern, sie fragen und wollen Antworten. Kinder saugen Informationen auf wie ein Schwamm – wenn sie denn welche bekommen. Das ist nicht nur bei uns so!

Wir haben bereits auf vergangenen Reisen diverse Eltern kennen gelernt, deren Kinder Spaß an selbstorganisierten Landausflügen hatten. Sind die Eltern dagegen lustlos, sind es meist auch die Kinder – was sich dann natürlich nicht nur auf Reisen zeigt.

Hinzu kommt die Frage, wo ein Kind mehr Aufmerksamkeit erhält und wo der Spaßfaktor größer ist – an Bord mit mehreren hundert Kindern oder mit wenigen Kindern? Unser Sohn favorisiert bislang klar die letzte Variante! Warum? Na, er hat all die Aufmerksamkeit der Erwachsenen für sich. Auf einem klassischen Kreuzfahrtschiff kümmert sich die Besatzung individuell um eine Hand voll Kinder und schenkt ihnen in der Regel eine große Portion Aufmerksamkeit. Die Kinder dürfen mal beim Cocktail mixen dabei sein, in die Küche schauen, bekommen Papiertiere gebastelt, Ballone aufgeblasen, Zaubertricks gezeigt usw. Die Fragen der Kinder werden individuell beantwortet und gehen nicht im Geschrei hunderter Kinder unter. Kinder sind eben nicht nur eine Nummer. „Mit steigendem Alter sinkt die Lust an einer Teilnahme an Aktivitäten mit den Eltern, was eine völlig normale Entwicklung darstellt“, so Diplom-Kinderpsychologin Schmidt-Gerdes.

Eltern sind also gut beraten, wenn sie ihre eigenen Erfahrungen machen und selbst urteilen was den Kids gefällt. Man sollte sich nicht zu sehr von Urteilen blenden lassen, die man irgendwo liest. Ja, es ist für Eltern schön, sein Kind in einem Kinderclub abgeben zu können oder mit ihnen an einem Landausflug für Kinder teilzunehmen. Aber Kinder lassen sich auch durch „normale“ Dinge begeistern. All die heutigen Bespaßungsangebote gab es bis vor wenigen Jahren nicht. Demnach waren diese Kinder bis dahin also unzufriedener!?

Auch wir können kein pauschales Urteil treffen, sind aber der Meinung dass Kinder die Landausflüge der Eltern sowie die Kreuzfahrt nicht grundsätzlich „öde“ finden. Zumindest nicht bis zu einem bestimmten Alter.

Amüsant ist es auch, wenn scheinbar fürsorgliche Eltern sich darüber offen aufregen, wenn spezielle Kinderprogramme ausfallen. Warum das amüsant ist? Weil nicht die Kinder sondern die Eltern sich darüber aufregen. Und zwar deshalb weil sie nun selbst gefordert sind ihre Kinder zu bespaßen. Ein kleines Kind begreift den Zusammenhang eines ausgefallenen Programmpunktes und den daraus resultierenden Konsequenzen überhaupt nicht, als dass es sich darüber aufregen könnte. Wird dem Kind ein Alternativprogramm geboten, so freut es sich auch über dieses.

Hier wird die Meinung der Eltern nach außen projektiert und potentielle Familien werden bei einer solchen Beratung völlig irritiert und erhalten eine Falschberatung zum Thema Kreuzfahrten mit Kind.

Kreuzfahrt mit Kind

Nach Aussage Schmidt-Gerdes haben in der Regel jene Eltern Schwierigkeiten den eigenen Kindern ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm zu bieten, die in der eigenen Kindheit selbst keines erfahren haben. Sie betont dabei ausdrücklich, dass dies nicht als Kritik einzelner Elterngruppen zu sehen ist sondern vielmehr als ein Spiegelbild zwischen Eltern und Kindern verschiedener Generationen und Bevölkerungsschichten. Was man selbst nicht weiß, kann man seinen Kindern auch nicht vermitteln.

Natürlich kann letztendlich auch kein Psychologe oder Kinderarzt ein pauschales Urteil treffen. Leider gibt es auch kein "Gütesiegel" für die Beratungsstellen, welche die Eltern zum Thema Kreuzfahrten mit Kind zum Teil haarsträubend beraten. Alle Eltern müssen selbst wissen, mit welchen Aktivitäten und Freizeitprogrammen sie ihre Kinder fördern und bespaßen. In diesem Sinne „happy cruising“ auf allen Kreuzfahrten mit Kind!

Hinweis: kleiner Tipp von uns - schauen Sie zum Thema Kreuzfahrten mit Kind mal bei www.kids-on-cruise.de vorbei!